Mittwoch, 14. Januar 2009

Feliz año!
Hola. Ich melde mich zurück mit Neuigkeiten aus Kolumbien. Diesmal hauptsächlich Reiseeindrücke und Infos, die nicht so viel mit meiner Arbeit zu tun haben, aber sicherlich auch spannend sind.
Am 19.12 bin ich ziemlich überhastet nach Medellín aufgebrochen, nachdem ich diesen Tag (ein Freitag) noch bis 6 gearbeitet habe. Hier in Kolumbien werden die 10 Tage vor dem 24.12 sehr ausgiebig in den sogenannten novenas gefeiert. Das heisst jeden Abend trifft man sich mit Freunden, meist in einer Kirche, einem Gemeindehaus oder einem Raum, der grossgenug ist, um die Empfägnis von Jesus Christi zu feiern. Die Leute singen Weihnachtslieder, es werden Geschichten erzählt...gefeiert. In der Organisation habe ich die erste Nacht der Novena mit einer Präsentation über Weihnachten in Deutschland eingeleitet. Vor fast dem ganzen Dorf (bzw. Barrio) habe ich also gestanden (immerhin waren 300 Leute da) und habe über Adventskränze und –Kalender, Schneemänner und Weihnachtsmärkte erzählt. In den anderen Novenas, die ich hier mitbekommen habe wurde getanzt, oder Gedichte vorgetragen.

1. Urlaub TRIGANÁ
Wie gesagt habe ich das Feld hier vorzeitig geräumt , da ich eigentlich den Sonntag (21.12) mit Freunden aus Medellín zur Isla fuerte (Karibik) aufbrechen wollte. Pünktlich Samstagmorgen war ich in Medellín, nur das meine Leute entschieden hatten den Montag erst aufzubrechen...kein Problem dachte ich, nur dass sie nach einer neuen Planänderung ihren Urlaub ganz gestrichen haben. Da ich ursprünglich nach der Insel eine Freundin aus Medellín im westlichsten Zipfel der Karibikküste (Triganá) besuchen wollte habe ich das dann kurzerhand vorgezogen und bin also Montagnacht, mit Ihr und einer Gruppe von ca. 10 Leuten nach Triganá aufgebrochen. Sie studiert Architektur in Medellín und ist an der Küste aufgewachsen, ihre Mutter lebt dort. über Sie habe ich drei sehr nette Mitreisende kennengelernt. Einen Österreicher, nen Holländer und eine Spanierin. Mit diesen 4 habe ich dann 9 sehr schöne Tage verbracht. Wir haben zusammen Weihnachten und Silvester gefeiert...etwas untraditionell, aber mit viel Party, tanzen und Bier ;) Generell hat Weihnachten sehr viel mehr Partycharakter, erst feiert man mit seiner Familie isst lecker und danach gehen allesamt tanzen.
Diese Tagen in Triganá, einem sehr kleinen untouristischen Ort, habe ich sehr genossen. Das Meer, die Sonne, die kleinen Wanderungen, die wir gemacht haben...und den lecker Fisch;) Ich habe 4 Nächte in einem Natureservat übernachtet...eine giftige Schlange aus der Nähe kennengelernt. Diese hatte 2 Eier aus dem Hühnerstall gegessen, und sich danach in den Zaunmaschen verfangen. Wir haben sie dann zu dritt befreit. Leider hat sie den Hund gebissen, der 3 Tage drauf gestorben ist. Diese beeindruckende 1,5 Meter lange Schlange hat, nach der Befreiungsaktion die 2 Eier unversehrt!!! wieder ausgekotzt (vllt. aus Schock), ist jedoch 2 Nächte drauf wiedergekommen um 4 Eier zu fressen. Das war dann genug, sodass sie leider mit der Machete halbiet wurde. Dies habe ich leider nur noch erzählt bekommen, da ich schon nichtmehr in der Reserva war...Auch habe ich die schlechte angewohneit nicht immer die Kamera bei mir zu führen, so dass ich keine Bilder der kotztenden Boa habe...das fördert jedoch euer Vorstellungsvermögen (sie war braun und hat geglänzt)  ...das nur eine kleine Geschichte am Rande der vielen Eindrücke.

2. Urlaub: ISLA FUERTE
Am 3 Januar habe ich den Rückweg nach Medellín angetreten (mit den drei Internationalen Freunden), um dann am Montag den 6 nachts alleine nochmal an die Küste zu fahren. Einige (andere) Freunde vom Red, hatten es auf die Isla fuerte geschafft und ich habe mich spontan entschieden nachzufahren. Auch die 6, mit denen ich ursprünglich reisen wollte hatten sich (per Anhalter) aufgemacht. Ich bin also mit Bus von Medellín nach Lorica (im Norden, Departamento Cordoba), von dort mit einem Motorrad zum nächsten Dorf und von dort mit nem Jeep in das Kaff, wo die Boote zur Insel ablegen. Sehr aufregend diese Reise, zumal allein. Nachdem ich dann übergesetzt bin habe ich dann 4 Freunde vom Red getroffen. Die anderen 6 sind am Abend nach mir angekommen. Sie bilden die Trommelgruppe des Red und sind in Bars und in Parks spielend bis an die Küste gereist. Das was sie an Geld gesammelt haben wurde direkt für den Weitertransport und Essen ausgegeben. So macht man Urlaub, wenn man kein Geld hat...Jetzt hatte ich auch verstanden, warum sie vorher so kurzfristig alles übern haufen geschmissen hatten. Sie hatten nicht genug Geld um loszureisen, mussten noch sammeln und wollten aber über Silvester in Medellín sein. Wir haben also in dieser grossen Gruppe an einem einsamen Strand auf der Insel gezeltet. Ohne Strom ohne Wasser ohne Klo...ohne alles. Wir haben mit Holzfeuer gekocht und Wasser aus einem Teich (der einzige der Insel) zum Waschen gehabt (dieses wurde uns von den Inselbewohnern gebracht). Die Leute auf der Insel sind sehr arm und leben überwiegend vom Fischen und anpflanzen von Obst und Gemüse. In den 2 Urlaubsmonaten (Desember und Januar) gibt es eine Handvoll Urlauber die zu versorgen sind...aber ansonsten sehr rar. Don Rudolpho, der sich um die Wildcamper an unserem Strand gekümmert hat, hat uns also mit Kokosnüssen, Wasser, Obst und Fisch versorgt. Wir wiederum haben abends in den 3 Discos des einzigen Dorfes der Insel gespielt um domit Geld zu sammeln, um ebendies zu bezahlen  Mich fasziniert diese gastfreundlichkeit und grosszügigkeit, besonders der Armen, die ja selber so wenig haben. Wir haben frischgefangenen Fisch geschenkt bekommen (die mit Taucherbrille, und Harpune mühselig gefangen wurden). Da es auf der Insel nur ein paar Lebensmittelläden gibt, kann man besonders gut mit tauschen bezahlen. ich habe Don Rudolpho also als „Bezahlung“ für das Campen 2 T´Shirts und meine LED Taschenlampe dagelassen und auch die anderen haben alle was zusammengelegt. Auch das Obst etc. das gebracht wurde haben wir (besonders die anderen, denn ich hatte ja Geld) mit Kleidung bezahlt. Alles in allem haben wir nen super Urlaub gehabt, auch ohne fliessend Wasser etc. Direkt im Sand gecampt (ich hatter mir nen Zelt geliehen, die anderen haben in Hängematten oder draussen geschlafen) und ein wunderschönes Meer gehabt. Es gibt keine Autos auf der Insel, und unser Strand war ne halbe Gehstunde vom Dorf entfernt, sodass wir sehr viel Ruhe hatten. Einen kleinen Ausflug zum Leuchturm der Insel habe ich unternommen. Dieser gleicht einem grossen Strommast, an dem aussen ne Leiter angebracht ist, auf der man hochklettern kann...da würden in Europa alle die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Naja, wir sind zu viert hoch, nur das letzte Stück habe ich mir gespart, weil die Leiter so weggerrostet war, dass ich wirklich Sorge hatte, sie könnte einbrechen. Achja, die Krebse habe ich vergessen, die wir gefangen und gegessen habe...nicht schlecht, aber der Fisch war leckerer. Am vergangenen Sonntag habe ich dann den Rückweg angetreten...alleine nochmal, da ich gestern in Ibagué sein wollte, um meine Sachen für das Zwischenseminar in Bolivien zu packen. Glücklicherweise hab ich im Boot ne dreiköpfige Familie kennengelernt, die auch nach Medellín zurück fuhr jedoch ein Auto am Strand hatten, wo die Boote abfahren. Mit ihnen bin ich also für den halben Buspreis direkt nach Medellín gefahren...schneller und ohne Umsteigen.
Auf der Insel habe ich mich auch mit einer Freundin getroffen, die vor kurzem in Aachen zu besuch war. Mit ihr (Milena) habe ich die ersten Monate Spanisch gelernt und sie bis zum 23.12 für drei Monate in Bonn und hat dort an einem Austausch teilgenommen.

REISEN IN KOLUMBIEN

Während der Fahrten in Bus, Auto und Motorrad ist mir oft aufgefallen, wie sehr die Strassen vom Militär kontrolliert bzw. gesichert werden. Es gibt keine Autobahnen aber einige wichtige grosse Strassen. Alle 50 km ist ne Militäreinheit stationiert, die oft Autos anhält und kontrolliert. Oft sieht man anstelle von Jeeps Panzer. Und immer sind die Soldaten bis unter die Zähne bewaffnet. Erst dann wird einem klar, dass sich das Land in einem Bürgerkrieg ähnlichen Zustand befindet. Wenn man nur in der Stadt ist, sieht man zwar viel Polizei und auch Militärs, aber von dem bewaffneten Konflikt erfährtman eher über die Vertriebenen (die in den Städten landen) und über die Armut der Bevölkerung. Die grossen Reisebusse werden auch kaum angehalten. Aber als ich mit der Familie zurückgefahren sind, haben uns die Soldaten angehalten, nur um zu fragen, woher wir kommen, wohin es geht und ob auf der Strecke was auffälliges passiert sei, oder ob alles in Ordnung war und ist. Ich weiss manchmal nicht wie ich mit all dem umgehen soll. Einerseits sind die Militärs genau wie Paramilitärs und Guerilla für die wachsende Armut, die sozialen Probleme, sprich den Krieg mitverantwortlich, andererseits kann ich nur dank dieser starken Militärpräsenz sicher reisen. Es hängen grosse Werbebanner an den Strassen mit Bildern der Soldaten und Sprüchen wie „Ihre Bundeswehr ist für sie auf der Strasse“ usw.
Als ich von Triganá zurückgefahren bin sind wir an einem umgekippten LKW vorbeigekommen. In Deutschland ist ein Abschleppunternehmen und die Polizei, hier waren ca. 15 Soldaten und 2 bemannte Panzer zur Stelle. Auch auf der Insel waren Soldaten stationiert, ebenso an einigen Stränden in der Nähe von triganá. Nur in Triganá selber habe ich weder nen Polizisten noch nen Soldaten gesehen. Auf meine erstaunte Nachfrage wurde mir gesagt, dass vor ca. 6 Monaten ne Gruppe von ca. 50 Soldaten dort stationert war, jedoch jetzt weg sei.
Insgesamt ist mir aufgefallen, dass die Leute in den kleineren Städten noch ärmer sind. Viele Häuser haben nur nen Lehmboden und sehr sporadische Wände, fast alles spielt sich irgendwie draussen ab.
Unsicher habe ich mich nicht gefühlt. Als ich zum Beispiel aus dem Bus in Lorica ausgestiegen bin und mir direkt vier Leute nen Motorrad zum nächsten Dorf angeboten haben war ich etwas verunsichert. Bringen die dich wirklich zu diesem Dorf wenn du mitfährst? Verlangen die nen fairen Preis? Nachher musst du mehr zahlen als verabredet?...usw. es geht einem viel durch den Kopf und wenn man zu lange nachdenkt ist man sich nicht wirklich sicherer. Als ich schliesslich nen (meiner Meinung nach) guten Preis bekam und auf dem Motorrad sass (mit meinem riesen Rucksack), ging es weiter... Ich hatte keinen Helm und mein Vordermann hatte seinen ums Handgelenk geschwungen. Normalerweise muss jeder Motorradfahrer nen Helm und eine Weste mit aufgedrucktem Keinnzeichen tragen, um Diebstahl, Anschläge oder anderen Blödsinn mit geklauten Motorrädern zu vermeiden. In Medellín sind sie damit sehr strikt, nur war ich jetzt auf dem Land. Ich hatte Sorge, dass uns vllt. die Polizei anhalten würde und ich hätte zahlen müssen oder so. Nach etwas rumnörgeln habe ich dann den Helm vom Fahrer bekommen ... nach der ersten passierten Polizeikontrolle ohne nen Wimpernzucken war mein Misstrauen dann endlich abgefallen...Der Mann verdient einfach nur sein Geld damit Leute auf seinem Motorrad von einer Stadt zum nächsten Dorf zu bringen,ist billiger als ein Taxi, hatte keine bösen Absichten und war auch noch freundlich.
Soweit zu dem erlebten... Morgen gehts weiter. Am Donnerstagmorgen um 6 geht mein Flieger von Bogotá nach Cochabamba in Bolivien. Dort treffe ich einen Freund, der dort seinen Zivi macht. Zusammen fahren wir am 19.01 nach Santa Cruz zu einem Treffen von deutschen Freiwilligen aus Lateinamerika. Meine Reisezeit ist also noch nicht um, und ich freue mich schon ein anderes Land kennenzulernen, auch wenn es noch so viel interessantes hier in Kolumbien gibt.
Ich wünsche euch alles erdenklich gute für diese Jahr, das hoffenlich nicht so schnell vorbeigeht wie das Letzte! Ich denke viel an euch und vermisse euch und Aachen!
Bitte seid nicht böse, wenn ich nicht direkt auf geschriebene Mails antworte. Ich war jetzt knapp drei Wochen ohne Internet, Handynetz und sonstigen üblichen kommunikationsmitteln und werde mich nach Bolivien in Ruhe daran begeben zu antworten.
Lukas

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Solch ein Bericht infiziert mich immer wieder mit dem Reisefieber. Und dann noch die Bilder, ich wuerd ja echt gerne vorbeikommen ;)

sakuLMS hat gesagt…

Wer hat das denn geschrieben? Lukas

Anonym hat gesagt…

Das war die Marta aus Cochabamba ;)