Hey Leute,
Ich bin auf dem Rückweg! Nach vielen Verabschiedungspartys und Abenden, mit traurigen und schönen Momenten, bin ich seit heute Morgen auf dem Rückweg. Nachdem mir zunächst in MEdellín offenbart wurde, meine Reservation sei gestrichen worden, hatte ich schon Pläne für einen weiteren Monat geschmiedet. Glücklicherweise war nur mein Flugticket nach Bogota anscheinend gestrichen, nicht aber das von Bogota nach Madrid-Düsseldorf. So konnte ich in nem anderen Flieger nach Bogota und da bin ich grad. Mir ist langweilig, ich bin traurig und müde. In 2 Stunden geht mein Flieger und ich freue mich zu schlafen.
Bis Morgen, übermorgen, nächste Woche oder wanns auch sei!
Die Fussballbegeisterten gucken mal hier rein, wenns Langeweile gibt...
http://www.youtube.com/watch?v=tOgZ6Lm9NEc
Dienstag, 11. August 2009
Montag, 27. Juli 2009
Hi Leute,
Nächste Story....nur ohne die Henne! Ich habe Lust mehr von den Wochenenden und weniger von der Arbeit zu erzählen...Also wir haben wieder einen Ausflug gemacht...schon fast einen Abschiedsauslfug mit Freunden aus Ibagué. Diesmal gings ebenfalls zu Wasserfällen...von denen es hier ja jede Menge gibt...jedoch diesmal etwas weiter entfernt. Das heisst Samstag sind wir nachmittags um 4 per Bus aufgebrochen und um 7 in Mariquita nördlich von hier angekommen. Voller Hoffnung sind wir (im dunkeln) in einem sehr maroden Taxi vorm Dorf zu den Wasserfällen gefahren. Bepackt mit Zelt, Essen etc. sind wir 6 leider vor einer geschlossenen Pforte angelangt. Völlig im finsteren lag das Gelände rund um die Wasserfälle, sodass wir 6 qequetscht im Taxi umgedreht sind. An 2 weiteren Höfen haben wir angehalten und nach Unterkunft gefragt, nur dass uns aufgrund des grossen Misstrauens, besonders gegenüber den Campern keiner eine Nacht beherbergen wollte. Etwas entäuscht sind wir also im gleichen Taxi zurück ins Dorf gefahren und haben nach einigen telefonaten und 2 Stunden warten eine Absteige gefunden, wo wir im Innenhof unser Zelt auf dem Betonboden aufgeschlagen haben. Ich hatte glücklicherweise meine Hängematte dabei ;)
Die Unterkunft hatte jedoch zur Gute, dass wir abends tanzen gehen konnten und etwas vom Dorf sehen konnten.
Wenn man im Dorf untwerwegs ist, versteht man auch, warum meine kolumbianischen Freunde nicht in der Nähe der Wasserfälle Wildcampen wollten. Die Sicherheitslage gerade fern der grösseren Städte (auch wenn das Dorf nicht grade klein war) ist nach wie vor schwierig. Bei der Ankunft kamen uns zwei LKW mit Soldaten entgegen und auch die Polizeipräsenz ist sehr hoch. Wenn die Hubschrauber über den Bergen kreisen, kann man erahnen, dass es "Enfrentamientos" (Auseinandersetzungen) zwischen Militär und bewaffneten Gruppen gab, von denen in den Nachrichten nix zu hören/sehen ist.
Nach der kurzen Nacht sind wir gesternmorgen zu den Wasserfällen aufgebrochen und waren die ersten, die die Wasserfälle geniessen konnten. Das Wasser, durch Regenfälle in den Bergen leider etwas trüb war umso erfrischender und die Felsformationen gaben zahlreiche Sprungmöglichkeiten. Bis in den Nachmittag sind wir dort geblieben, haben gebadet, Karten gespielt und sind durch den Wald gelaufen. Abends völlig geplättet nach weiteren 2 Stunden Bus und Viertelstunde Ladeflächenfahrt (von den Wasserfällen zum Dorf) in Ibagué angekommen.
Vor 2 Wochen war ich ein das lezte Mal in Medellín. Anlässlich des 20.Juli, der hier Nationalfeiertag ist hat es nicht nur zahlreiche "Enfrentamientos" (s.o) gegeben, sondern das Red in Medellín hat ein Konzert, als Zeichen der Abneigung gegen den Militarismus und den Krieg in Kolumbien veranstaltet. Dieses traditionelle Konzert mit Punk, Hip Hop und Reggea-Musik fand in einem Park in Medellín statt. Und obwohl es von nicht gerne gesehen wird und ungenehmigt ist, gab es keine Probleme oder Auseinandersetzungen, sondern nur Leute, die gefeiert haben. Die Polizei hat Fotos vom Dach eines benachbarten Hauses gemacht, aber weiter ist nix passiert.
Für mich waren weniger die Musik (viel Punk) sondern vor allem die Leute interessant, die ich teilweise lange nicht mehr gesehen hatte (Theatergruppe) oder neu kennengelernt habe. Denn zu solchen grossen Events läd das Red immer viele Leute von anderen Organisationen, aus anderen Städten ein, die dann (wie ich)bei Leuten vom Red untergebracht werden.
Also schaut euch die Fotos an, und wenn ihr mehr über die Arbeit wissen wollt guckt hier rein: rincon-de-paz.blogspot.com
Lukas
Nächste Story....nur ohne die Henne! Ich habe Lust mehr von den Wochenenden und weniger von der Arbeit zu erzählen...Also wir haben wieder einen Ausflug gemacht...schon fast einen Abschiedsauslfug mit Freunden aus Ibagué. Diesmal gings ebenfalls zu Wasserfällen...von denen es hier ja jede Menge gibt...jedoch diesmal etwas weiter entfernt. Das heisst Samstag sind wir nachmittags um 4 per Bus aufgebrochen und um 7 in Mariquita nördlich von hier angekommen. Voller Hoffnung sind wir (im dunkeln) in einem sehr maroden Taxi vorm Dorf zu den Wasserfällen gefahren. Bepackt mit Zelt, Essen etc. sind wir 6 leider vor einer geschlossenen Pforte angelangt. Völlig im finsteren lag das Gelände rund um die Wasserfälle, sodass wir 6 qequetscht im Taxi umgedreht sind. An 2 weiteren Höfen haben wir angehalten und nach Unterkunft gefragt, nur dass uns aufgrund des grossen Misstrauens, besonders gegenüber den Campern keiner eine Nacht beherbergen wollte. Etwas entäuscht sind wir also im gleichen Taxi zurück ins Dorf gefahren und haben nach einigen telefonaten und 2 Stunden warten eine Absteige gefunden, wo wir im Innenhof unser Zelt auf dem Betonboden aufgeschlagen haben. Ich hatte glücklicherweise meine Hängematte dabei ;)
Die Unterkunft hatte jedoch zur Gute, dass wir abends tanzen gehen konnten und etwas vom Dorf sehen konnten.
Wenn man im Dorf untwerwegs ist, versteht man auch, warum meine kolumbianischen Freunde nicht in der Nähe der Wasserfälle Wildcampen wollten. Die Sicherheitslage gerade fern der grösseren Städte (auch wenn das Dorf nicht grade klein war) ist nach wie vor schwierig. Bei der Ankunft kamen uns zwei LKW mit Soldaten entgegen und auch die Polizeipräsenz ist sehr hoch. Wenn die Hubschrauber über den Bergen kreisen, kann man erahnen, dass es "Enfrentamientos" (Auseinandersetzungen) zwischen Militär und bewaffneten Gruppen gab, von denen in den Nachrichten nix zu hören/sehen ist.
Nach der kurzen Nacht sind wir gesternmorgen zu den Wasserfällen aufgebrochen und waren die ersten, die die Wasserfälle geniessen konnten. Das Wasser, durch Regenfälle in den Bergen leider etwas trüb war umso erfrischender und die Felsformationen gaben zahlreiche Sprungmöglichkeiten. Bis in den Nachmittag sind wir dort geblieben, haben gebadet, Karten gespielt und sind durch den Wald gelaufen. Abends völlig geplättet nach weiteren 2 Stunden Bus und Viertelstunde Ladeflächenfahrt (von den Wasserfällen zum Dorf) in Ibagué angekommen.
Vor 2 Wochen war ich ein das lezte Mal in Medellín. Anlässlich des 20.Juli, der hier Nationalfeiertag ist hat es nicht nur zahlreiche "Enfrentamientos" (s.o) gegeben, sondern das Red in Medellín hat ein Konzert, als Zeichen der Abneigung gegen den Militarismus und den Krieg in Kolumbien veranstaltet. Dieses traditionelle Konzert mit Punk, Hip Hop und Reggea-Musik fand in einem Park in Medellín statt. Und obwohl es von nicht gerne gesehen wird und ungenehmigt ist, gab es keine Probleme oder Auseinandersetzungen, sondern nur Leute, die gefeiert haben. Die Polizei hat Fotos vom Dach eines benachbarten Hauses gemacht, aber weiter ist nix passiert.
Für mich waren weniger die Musik (viel Punk) sondern vor allem die Leute interessant, die ich teilweise lange nicht mehr gesehen hatte (Theatergruppe) oder neu kennengelernt habe. Denn zu solchen grossen Events läd das Red immer viele Leute von anderen Organisationen, aus anderen Städten ein, die dann (wie ich)bei Leuten vom Red untergebracht werden.
Also schaut euch die Fotos an, und wenn ihr mehr über die Arbeit wissen wollt guckt hier rein: rincon-de-paz.blogspot.com
Lukas
Donnerstag, 16. Juli 2009
Die Henne
Hier ein Lebenzeichen von mir, im leider letzten Monat hier.
Mir gehts bestens, bin fleissig am Arbeiten, so wie es sich gehört nach soviel Urlaub, und bereite mich emotional schon etwas auf den bevorstehenden Abschied vor.
Ich beginnen mit dem Juni, der hier in Kolumbien Ferien- und fiesta-monat ist. Das heisst die Kinder haben fast 3 Wochen Schulfrei und hier in Ibagué werden Karnevalsähnliche Folklore Umzüge veranstaltet. Wie bei uns an Karneval wird viel getrunken und gefeiert. In den Umzügen wird getanzt und die mit den Misswahl zu vergleichenden Wahlen der Reynas finden statt. Die Mädels, die erst im Stadtviertel, Stadtbezirk, Stadt, Departament und schliesslich auf Landesebene ausgewählt werden, gehen dann anschliessend auf den Umzügen mit...siehe Fotos ;)
Ich hab mir den Spass und besonders das PArtywochenende (letzte Juni WE) nicht entgehen lassen...leider haben sie (keine Ahnung wer) sich mein Portemonnaie und mein Handy auch nicht entgehen lassen...Will heissen ich wurde beklaut, aber alles halb so wild. Das Handy war ziemlich Antik und das Portemonnaie bargeldlos. Die verlorenen Dokumente sind zu ersetzen, sodass sich die Diebe wohl ziemlich verarscht vorkommen müssten...Während ich in der Schlange stannd, um in eine Bar reinzugehen wurde mir das Portemonnaie aus der Hosentasche geklaut, auch wenn ichs gemerkt habe konnte ich nix tun, da 4 Leute hinter mir beteuerten es nicht zu haben und all dies fast in einer Schlägerei geendet hätte....man muss auch verlieren können. Den Klau des Handys, das mir ebenfalls aus der (vorderen) Hosentasche geklaut wurde, habe ich nicht mal mitbekommen. Schade wegen der Nummern, aber gibt schlimmeres.
Also die fiestas waren trotzdem sehr gut und partyreich, sodass ich danach direkt etwas krank war.
Nach überstandener Krankheit habe ich hier auf der Arbeit weiter gemacht wie zuvor....Kinderbetreuung, Englisch, Deutsch und Jugendgruppe. Ausserdem habe ich begonnen das grosse Styropor Hinweisschild, des Friedenspfades (hier auf dem Gelände) auszutauschen. Dafür habe ich Bambusstäbe gekauft, die gebrannt und deshalb hellbraun sind. Diese habe ich zu Buchstaben verbunden (was ziemlich viel Arbeit war). Aus den insgesamt 40 Buchstaben ensteht so der Satz :"Friedenspfad, Sendero de Paz, Alemania - Colombia". Die Buchstaben sind soweit fertig, so muss der Spruch nur noch zwischen den Bäumen angebracht werden.
Ausserdem habe ich die Gelegenheit genutzt und mit einigen Freunden eine Mauer hier in der Organisation bemalt. dazu haben wir per Videobeam eine grosse Weltkarte (Peters-Projection) an die Wand projeziert und diese dann gemalt. Es fehlt nur noch der Feinschliff und ein paar Informationen über die Kontinente und fertig ist die neue Wand.
Vor zwei Wochen habe ich am Wochenende mit einer Gruppe von 7 Freunden einen Ausflug zu hier in der nähe liegenden Wasserfällen gemacht. In der nähe des Dorfes "Payande" liegen diese insgesamt 7 Wasserfälle. Was sich hier nach einem normalen Ausflug anhört ist hier immer etwas komplizierter oder sagen wir mal spannender. Denn meine Freunde hier haben kein Geld, um einen Ausflug zu machen. Also wird mit jedem Busfahrer gehandelt, getrampt und vor allem GELAUFEN. Für den Hinweg haben wir ca. 4 Stunden gebraucht von denen wir bestimmt 3 gelaufen sind. Im Bus braucht man normalerweise ne gute Stunde. Der Rückweg war dann noch besser, denn leider waren wir nach dem Eintritt (30 Eurocent pro person) und der Übernachtung (2 Zelte 2,30 Euro)ziemlich abgebrannt, und ich hatte mein Geld für den Wein am Abend ausgegeben. Glücklicherweise hat uns direkt das erste Stück ein Kleinlaster mitgenommen. Danach haben wir einen Bus für die Hälfte erwischt (1,60 für 8 Leute). Danach fehlten leider noch 2 verschiedene Busstrecken und uns blieb 1,60 (in Euros). Also sind wir an der grossen Schnellstrasse entlanggelaufen und haben die Busse angehalten. Da entdeckt ein Freund von mir eine Henne am Strassenrand....alles klar, die wird gefangen und fürs Mittagessen mitgenommen....dachten wir uns. Die Henne läuft weg...auf die Strasse und....kommt heile auf der anderen Seite an. Also überqueren 2 freunde von mir die Strasse und hinter der Henne her. Die Henne fliegt und läuft davon, wieder auf die Strasse und...da kam das Auto mit ca. 70km/h und die Henne war tot. Aber Heile ;) Also was machen wir? - Die Antwort ist klar. Wir packen die Henne ein und weiter. Der nächste Linienbus wird gestoppt und gehandelt. Wir können dem Busfahrer nicht genug bieten und bieten ihm die Henne an. Alles klar! Wir 8 fahren mit, im Tausch der Henne. Im Laufe der Fahrt unterhalten wir uns mit dem Busfahrer und er erfährt über die Herkunft der Henne...Als wir aussteigen sagt er, wir könnten die Henne mitnehmen...und haben am Ende nix bezahlt :)
Nochmal halbe Stunde laufen und ab in den nächsten Bus, der uns für den rest den wir haben mitnimmt. Die Henne im Schlepptau kommen wir müde aber glücklich an. Nicht zu vergessen die Wasserfälle, die einfach der Hammer sind! (siehe Fotos)
Achja, die Henne haben wir diesen Sonntag gegessen, nachdem sie gerupft und eingefroren auf uns gewartet hat. War lecker!
Es leben die Hühnchen!
Lukas
zu den Fotos:
Mir gehts bestens, bin fleissig am Arbeiten, so wie es sich gehört nach soviel Urlaub, und bereite mich emotional schon etwas auf den bevorstehenden Abschied vor.
Ich beginnen mit dem Juni, der hier in Kolumbien Ferien- und fiesta-monat ist. Das heisst die Kinder haben fast 3 Wochen Schulfrei und hier in Ibagué werden Karnevalsähnliche Folklore Umzüge veranstaltet. Wie bei uns an Karneval wird viel getrunken und gefeiert. In den Umzügen wird getanzt und die mit den Misswahl zu vergleichenden Wahlen der Reynas finden statt. Die Mädels, die erst im Stadtviertel, Stadtbezirk, Stadt, Departament und schliesslich auf Landesebene ausgewählt werden, gehen dann anschliessend auf den Umzügen mit...siehe Fotos ;)
Ich hab mir den Spass und besonders das PArtywochenende (letzte Juni WE) nicht entgehen lassen...leider haben sie (keine Ahnung wer) sich mein Portemonnaie und mein Handy auch nicht entgehen lassen...Will heissen ich wurde beklaut, aber alles halb so wild. Das Handy war ziemlich Antik und das Portemonnaie bargeldlos. Die verlorenen Dokumente sind zu ersetzen, sodass sich die Diebe wohl ziemlich verarscht vorkommen müssten...Während ich in der Schlange stannd, um in eine Bar reinzugehen wurde mir das Portemonnaie aus der Hosentasche geklaut, auch wenn ichs gemerkt habe konnte ich nix tun, da 4 Leute hinter mir beteuerten es nicht zu haben und all dies fast in einer Schlägerei geendet hätte....man muss auch verlieren können. Den Klau des Handys, das mir ebenfalls aus der (vorderen) Hosentasche geklaut wurde, habe ich nicht mal mitbekommen. Schade wegen der Nummern, aber gibt schlimmeres.
Also die fiestas waren trotzdem sehr gut und partyreich, sodass ich danach direkt etwas krank war.
Nach überstandener Krankheit habe ich hier auf der Arbeit weiter gemacht wie zuvor....Kinderbetreuung, Englisch, Deutsch und Jugendgruppe. Ausserdem habe ich begonnen das grosse Styropor Hinweisschild, des Friedenspfades (hier auf dem Gelände) auszutauschen. Dafür habe ich Bambusstäbe gekauft, die gebrannt und deshalb hellbraun sind. Diese habe ich zu Buchstaben verbunden (was ziemlich viel Arbeit war). Aus den insgesamt 40 Buchstaben ensteht so der Satz :"Friedenspfad, Sendero de Paz, Alemania - Colombia". Die Buchstaben sind soweit fertig, so muss der Spruch nur noch zwischen den Bäumen angebracht werden.
Ausserdem habe ich die Gelegenheit genutzt und mit einigen Freunden eine Mauer hier in der Organisation bemalt. dazu haben wir per Videobeam eine grosse Weltkarte (Peters-Projection) an die Wand projeziert und diese dann gemalt. Es fehlt nur noch der Feinschliff und ein paar Informationen über die Kontinente und fertig ist die neue Wand.
Vor zwei Wochen habe ich am Wochenende mit einer Gruppe von 7 Freunden einen Ausflug zu hier in der nähe liegenden Wasserfällen gemacht. In der nähe des Dorfes "Payande" liegen diese insgesamt 7 Wasserfälle. Was sich hier nach einem normalen Ausflug anhört ist hier immer etwas komplizierter oder sagen wir mal spannender. Denn meine Freunde hier haben kein Geld, um einen Ausflug zu machen. Also wird mit jedem Busfahrer gehandelt, getrampt und vor allem GELAUFEN. Für den Hinweg haben wir ca. 4 Stunden gebraucht von denen wir bestimmt 3 gelaufen sind. Im Bus braucht man normalerweise ne gute Stunde. Der Rückweg war dann noch besser, denn leider waren wir nach dem Eintritt (30 Eurocent pro person) und der Übernachtung (2 Zelte 2,30 Euro)ziemlich abgebrannt, und ich hatte mein Geld für den Wein am Abend ausgegeben. Glücklicherweise hat uns direkt das erste Stück ein Kleinlaster mitgenommen. Danach haben wir einen Bus für die Hälfte erwischt (1,60 für 8 Leute). Danach fehlten leider noch 2 verschiedene Busstrecken und uns blieb 1,60 (in Euros). Also sind wir an der grossen Schnellstrasse entlanggelaufen und haben die Busse angehalten. Da entdeckt ein Freund von mir eine Henne am Strassenrand....alles klar, die wird gefangen und fürs Mittagessen mitgenommen....dachten wir uns. Die Henne läuft weg...auf die Strasse und....kommt heile auf der anderen Seite an. Also überqueren 2 freunde von mir die Strasse und hinter der Henne her. Die Henne fliegt und läuft davon, wieder auf die Strasse und...da kam das Auto mit ca. 70km/h und die Henne war tot. Aber Heile ;) Also was machen wir? - Die Antwort ist klar. Wir packen die Henne ein und weiter. Der nächste Linienbus wird gestoppt und gehandelt. Wir können dem Busfahrer nicht genug bieten und bieten ihm die Henne an. Alles klar! Wir 8 fahren mit, im Tausch der Henne. Im Laufe der Fahrt unterhalten wir uns mit dem Busfahrer und er erfährt über die Herkunft der Henne...Als wir aussteigen sagt er, wir könnten die Henne mitnehmen...und haben am Ende nix bezahlt :)
Nochmal halbe Stunde laufen und ab in den nächsten Bus, der uns für den rest den wir haben mitnimmt. Die Henne im Schlepptau kommen wir müde aber glücklich an. Nicht zu vergessen die Wasserfälle, die einfach der Hammer sind! (siehe Fotos)
Achja, die Henne haben wir diesen Sonntag gegessen, nachdem sie gerupft und eingefroren auf uns gewartet hat. War lecker!
Es leben die Hühnchen!
Lukas
zu den Fotos:
Freitag, 26. Juni 2009
Urlaub und wie es weitergeht.
Hallo Ihr,
Hier ein längst überfälliger Bericht (von mir) über die letzten 2 Wochen mit meinen Eltern und etwas mehr. Aktuelle ist natürlich auch wieder einiges neues zu Berichten, nur das mein Schreibinteresse etwas gesunken ist....deshalb habe ich den Blog etwas vernachlässigt. Ausserdem sind aktuell die "Fiestas von Ibagué" das heisst eingentlich Folklore-Umzüge, die sowohl Umzugs- als auch Alkoholmässig stark an Karneval erinnern. Es sind super viele Leute auf der Strasse zum Feiern und man findet kaum Platz in einer Kneipe, Disco etc. Nebenbei sind Schulferien und ich glaube wir sind die einzigen hier, die in dieser Zeit des Jahres arbeiten (abgesehen von den Supermarkt angestellten, die auch Sonn-und Feiertags immer bis 9 abends geöffnet sind....
So aber jetzt erstmal zum vergangenen....hier der Bericht. Vielleicht folgt noch eine ausführliche Version von Stephan!
Nach der ersten Woche in Ibagué ging es per Nachtbus nach Medellín. Hierbei die erste Aufregung. Denn der Bus, der eigentlich um 12 Uhr in Ibagué eintreffen und nach Medelín weiterfahren sollte kam leider komplett voll. So blieb uns als einzige Möglichkeit bis um 3 Uhr früh am Terminal zu warten. Am Mittag in Medellín angekommen haben wir bei Sandra (eine Freundin von mir) Quartier bezogen. Sie wohnt in einem einfachen barrio, hat dort eine kleine gemütliche Wohnung. Die Tage in Medellín sind wie im Flug vergangen und so haben wir leider nicht alles geschafft, was zuerst angedacht war. Zumindest aber sind wir in die Stadtberühmte Metrocable und haben eigentlich alle interessanten “Touri”-Ziele der Stadt erkundet. Das Red Juvenil war nach einem ersten Kennenlernen darauf immer wieder Pausenpunkt. Auch hier in Medellín wird einem der Kontrast immer wieder bewusst. Ob es die Kaugumiiverkaufenden Kinder oder die einfachen Bettler sind, immer wieder sieht man die Armut, die in den Randbezirken der Stadt und auf dem Land noch wesentlich gravierender ist.
Genau diesen Eindruck haben wir dann auch am Sonntagmorgen bekommen, nachdem wir von Medellín per Nachtbus nach Cartagena gefahren sind. Der Terminal in Cartagena, der vllt. touristischsten Stadt Kolumbiens liegt sehr weit ausserhalb, sodass man einen Eindruck der eigentlichen Stadt bekommt. Das historische Stadtzentrum, das innerhalb der alten Stadtmauer liegt fühlt sich da an wie ein Besuch im Phantasialand ;) Wunderschön restaurierte Häuser, Gässchen, Parks, Cafés. Aber Preise wie in Europa und eine unglaubliche Hitze ohne verfügbaren Badestrand haben uns nach nur 2 Nächten weitergetrieben.
Die nächste Station hiess Nationalpark Tayrona. Dieser Nationalpark, der in der Nähe Santa Martas an der KAribikküste ist, ist uns in den 6 Tagen dort mehr als ans Herz gewachsen. Aus den ursprünglich 3 Nächten wurden kurzerhand 5…warum brauch ich denke ich nicht zu erklären…denn die Fotos sprechen für sich.
Durch die unberührten Buchten und dem tollem Klima hätten wir fast vergessen, wo wir waren…die Realität hat uns jedoch schnell wieder zurückgeholt, nachdem wir uns auf den “Rückweg in den Süden” machten. Nach einer Nacht in Santa Marta in einem, sagen wir mal sehr einfachen Hotel, gings per Flieger nach Bogotá zurück. Hier konnten wir uns abends mit den Eltern von Jiovanni treffen (das ist ein kol. AFS Austauschschüler, der aufs Couven Gymnasium geht, und zur Zeit bei “uns” in Vaals wohnt). Der Dienstag vorm Abflug gab uns noch Zeit für eine kleine Stadtour mit Ausflug auf den Hausberg von Bogotá, der auf 3200m Höhe liegt (Bogotá liegt auf 2600m). Diese Tour haben wir mal wieder den Freunden aus Ibagué zu verdanken, die per Taxi und Restgepäck nach Bogotá gekommen waren.
Dieser Reisebericht gibt einen kurzen Überblick, jedoch ist es sicherlich spannender mit Andrea und Stephan mal in echt drüber zu quatschen und vielleicht mal ein para Fotos erklärt zu bekommen. Also scheut euch nicht und meldet euch… ob bei mir, meinen Eltern, über Internet, Telefon oder wie auch immer!
Viele liebe Grüsse
Lukas
Hier weitere Fotos:
Hier ein längst überfälliger Bericht (von mir) über die letzten 2 Wochen mit meinen Eltern und etwas mehr. Aktuelle ist natürlich auch wieder einiges neues zu Berichten, nur das mein Schreibinteresse etwas gesunken ist....deshalb habe ich den Blog etwas vernachlässigt. Ausserdem sind aktuell die "Fiestas von Ibagué" das heisst eingentlich Folklore-Umzüge, die sowohl Umzugs- als auch Alkoholmässig stark an Karneval erinnern. Es sind super viele Leute auf der Strasse zum Feiern und man findet kaum Platz in einer Kneipe, Disco etc. Nebenbei sind Schulferien und ich glaube wir sind die einzigen hier, die in dieser Zeit des Jahres arbeiten (abgesehen von den Supermarkt angestellten, die auch Sonn-und Feiertags immer bis 9 abends geöffnet sind....
So aber jetzt erstmal zum vergangenen....hier der Bericht. Vielleicht folgt noch eine ausführliche Version von Stephan!
Nach der ersten Woche in Ibagué ging es per Nachtbus nach Medellín. Hierbei die erste Aufregung. Denn der Bus, der eigentlich um 12 Uhr in Ibagué eintreffen und nach Medelín weiterfahren sollte kam leider komplett voll. So blieb uns als einzige Möglichkeit bis um 3 Uhr früh am Terminal zu warten. Am Mittag in Medellín angekommen haben wir bei Sandra (eine Freundin von mir) Quartier bezogen. Sie wohnt in einem einfachen barrio, hat dort eine kleine gemütliche Wohnung. Die Tage in Medellín sind wie im Flug vergangen und so haben wir leider nicht alles geschafft, was zuerst angedacht war. Zumindest aber sind wir in die Stadtberühmte Metrocable und haben eigentlich alle interessanten “Touri”-Ziele der Stadt erkundet. Das Red Juvenil war nach einem ersten Kennenlernen darauf immer wieder Pausenpunkt. Auch hier in Medellín wird einem der Kontrast immer wieder bewusst. Ob es die Kaugumiiverkaufenden Kinder oder die einfachen Bettler sind, immer wieder sieht man die Armut, die in den Randbezirken der Stadt und auf dem Land noch wesentlich gravierender ist.
Genau diesen Eindruck haben wir dann auch am Sonntagmorgen bekommen, nachdem wir von Medellín per Nachtbus nach Cartagena gefahren sind. Der Terminal in Cartagena, der vllt. touristischsten Stadt Kolumbiens liegt sehr weit ausserhalb, sodass man einen Eindruck der eigentlichen Stadt bekommt. Das historische Stadtzentrum, das innerhalb der alten Stadtmauer liegt fühlt sich da an wie ein Besuch im Phantasialand ;) Wunderschön restaurierte Häuser, Gässchen, Parks, Cafés. Aber Preise wie in Europa und eine unglaubliche Hitze ohne verfügbaren Badestrand haben uns nach nur 2 Nächten weitergetrieben.
Die nächste Station hiess Nationalpark Tayrona. Dieser Nationalpark, der in der Nähe Santa Martas an der KAribikküste ist, ist uns in den 6 Tagen dort mehr als ans Herz gewachsen. Aus den ursprünglich 3 Nächten wurden kurzerhand 5…warum brauch ich denke ich nicht zu erklären…denn die Fotos sprechen für sich.
Durch die unberührten Buchten und dem tollem Klima hätten wir fast vergessen, wo wir waren…die Realität hat uns jedoch schnell wieder zurückgeholt, nachdem wir uns auf den “Rückweg in den Süden” machten. Nach einer Nacht in Santa Marta in einem, sagen wir mal sehr einfachen Hotel, gings per Flieger nach Bogotá zurück. Hier konnten wir uns abends mit den Eltern von Jiovanni treffen (das ist ein kol. AFS Austauschschüler, der aufs Couven Gymnasium geht, und zur Zeit bei “uns” in Vaals wohnt). Der Dienstag vorm Abflug gab uns noch Zeit für eine kleine Stadtour mit Ausflug auf den Hausberg von Bogotá, der auf 3200m Höhe liegt (Bogotá liegt auf 2600m). Diese Tour haben wir mal wieder den Freunden aus Ibagué zu verdanken, die per Taxi und Restgepäck nach Bogotá gekommen waren.
Dieser Reisebericht gibt einen kurzen Überblick, jedoch ist es sicherlich spannender mit Andrea und Stephan mal in echt drüber zu quatschen und vielleicht mal ein para Fotos erklärt zu bekommen. Also scheut euch nicht und meldet euch… ob bei mir, meinen Eltern, über Internet, Telefon oder wie auch immer!
Viele liebe Grüsse
Lukas
Hier weitere Fotos:
Mittwoch, 20. Mai 2009
Besuch aus Aachen
11.+12.05.2009
Nach 24 h Auto, Flieger, Bus und Taxi sind wir wohlbehalten und müde in Ibague angekommen. Die 7 Stunden Zeitverschiebung geben uns die Zeit zum Ausschlafen in Lukas gemütlichem Bett unter Moskitonetz. Am kommenden Tag machen wir uns nach spätem Frühstück und Geschenke auspacken auf, um Lukas Wirkungsstätte und die Leute von Concern International kennen zu lernen.
Die Mitarbeiter heissen uns herzlich Willkommen und es begegnet uns ein buntes Treiben mit vielen Kindern, die dort im Kindergarten sind oder in der Hausaufgabenbetreung. Die Anlage mit den bunten Gebäuden wirkt freundlich, wenngleich die Gruppenräume der Kinder klein sind, wenige Fenster haben und der Betonboden kalt wirkt. Umso beeindruckender, dass alles mit viel Freundlichkeit, Gelassenheit und Ordnung einhergeht.
Das Aussengelände ist steil am Hang mit unterschiedlichsten heimischen Pflanzen und auf dem ‘Friedenspfad´, der durch das Gelände fuehrt stehen wir plötzlich wie verpflanzt unter einer Bananenstaude – siehe Foto.
Den Tag über verbringen wir in der Organisation und im Viertel und Abends gibt´s den ersten Unterricht Spanisch-Deutsch mit einigen Kollegen , die ihre ersten Gehversuche mit Deutsch machen, so wie wir mit Spanisch.
13.05
Man gewöhnt sich schnell an die hiesigen Lebensbedingungen, die Hitze, das Essen, eine andere Dynamik des Tages und die Freundlichkeit der Menschen. Unser geplanter Ausflug in die „Tatacoa Wüste“ startet um vier Uhr morgens mit Maris, die Freundin von Luis und Don Daniel alles Mitbewohner in Lukas´ WG. Das Taxi, ein mehr oder weniger geländetauglicher Hyunday-Alto von Don Daniel...sportlich gefahren, bringt uns übers Land, nach dreistündiger Fahrt ins letzte Dorf vor der „Wüste“. Mit einer einheimischen Führerin im Taxi fahren wir über die Schotterpiste zum Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung, in einer Landschaft, die vormals ein Salzsee war. Durch Erosionen ist ein hügeliges Labyrinth aus trockenem Lehmboden entstanden, das durch zahlreiche Kakteen und spärliche Bäumchen grüner ist, als das Wort Wüste vermuten lässt. Wie Stalagmieten stehen Türme aus Lehm und Stein an den Stellen, an denen die Erde härter ist, als in der Umgebung, am Kopf geschmückt mit grünen Kakteen. Eine Kakteensorte wird Kopf der Schwiegermutter genannt, nicht schmeichelhaft, aber sie tragen kleine Pink-farbene Früchte, die sehr lecker sind.
Viele Einheimische kennen die Schönheiten des Landes nicht, die wir schon am zweiten Tag kennen lernen durften.
Danach geht es zum obligatorischen Mittagessen nach Neiva in einem Restaurant.
Unser weiterer Weg fuehrt uns zu Thermalquellen ´´Rivera´´ zum Erfrischen und Ausruhen, eine heisse und eine kalte Quelle für kranke und gesunde Glieder alles rustikal und spartanisch, wie ein kleines Freibad ohne Liegewiese. Witzig ist das Hinweisschild: ´´nicht in die Umkleidekabine pinkeln´´, ansonsten gibt es hier viel weniger Schilder als bei uns.
Nach vier Stunden Autofahrt mit kurzen Tankpausen für das kleine doch sehr geschundene Auto kommen wir voller Eindruecke und gut durchgeschuettelt ´´Zu Hause´´ an. Als gute Nachttrunk gibts kalte Cerveza, auch um 23 Uhr noch in einem der vielen kleinen Lädchen um die Ecke zu kaufen – muy rico.
14.05
Nach erneutem Spätstück und Auskurieren der Reisestrapazen nutzen wir den Tag, um ein wenig mehr in das Geschehen im Viertel und der Organisation einzusteigen. Mittags in Lukas „Stammrestaurant“ lernen wir Kochbanane („Platano“) und weitere kolumbianische Spezialitäten kennen, besonders die frischen „Jugos“, Fruchtsäfte, die aus verschiedenen frischen Früchten, Wasser und Zucker zubereitet werden. Im Nachmittag geht es mit ca. 25 Kindern aus der Freizeitbetreuung auf den hinterm Viertel liegenden „Berg“, Privatgelände auf dem viele Obstbäume stehen. Egal ob Sandale, Gummilatsche, oder Turnschuhe, alle Kinder kommen trotz Schlamm und Steigung wohlbehalten rauf und wieder runter. Viel Spass nicht nur für die Kinder, sondern auch für die freiwilligen Betreuer und natürlich uns (siehe Fotos). Im frühen Abend haben wir eine weitere Deutsch-Spanischkunde mit Possesivpronomen („Besitzanzeigende Fürwörter) und jede Menge Wortsalat.
15.05
Mit dem Taxi in die Stadt, vorbei an den vielen „Wohnzimmern“, will heissen, dass Arbeiten und Wohnen in ein und dem selben Haus stattfindet. Auch der Bürgersteig vorm Haus wird mitbenuzt. Ob es ein Internetcafé, Milchverkauf, Autowerkstatt, Handyminutenverkauf, ne Bäckerei oder O-Saftstand ist, alles ist im und um die Wohnung herum organisiert und improvisiert. Der Schreiner lackiert auf der Strasse der Motor wird am Strassenrand gewechselt. Dazu kommen die zahlreichen Mobilen Verkäufer, die schon früh morgens mit fritierten Teigtaschen, Gemüse, Obst und ähnlichem auf Fahrrad, Motorrad oder zu Fuss durch die Viertel ziehen.
Trotz der 500.000 Einwohner ist das Stadtzentrum überschaubar und architektonisch grösstenteils unatraktiv, ein gemischtes Chaos verschiedener Baustile, alte Gebäude mit klassisch offenem Innenhof neben alten Kirchen und Hochhäusern mit Betonfassaden. Dazwischen improvisierte Verkaufsstände aus Stein, Holz, Bambus, Plastikfolie und Blech. Viel interessanter sind die unterschiedlichsten Menschen, die vielen Farben und das Treiben und die Verkäufe auf offener Strasse. Hinzu kommen normale Läden, die westlicher anmuten und eher Leuten mit „etwas mehr“ Geld zur Verfügung stehen. Zum Mittag kehren wir in ein gutes Restaurant im Zentrum ein und sind erstaunt, dass Kind und Kegel das grosse Restaurant bis auf den letzten Platz füllen. Die Leute, die genug Geld für Essen haben (aber nicht reich sind) gehen regelmässig zum Mittagessen ins Restaurant, was im Verhältniss zum Wert der Lebensmittel nur unwesentlich teurer ist (aufgrund der niedrigen Löhne des Personals).
Am Nachmittag verarbeiten wir die Eindrücke und erholen uns von dem schwülwarmen Wetter. Die immerkalte Dusche tut gut. Zum Abendessen sind wir bei Daniels Familie (ehemaliger Mitarbeiter und Freund von Lukas) eingeladen. Es gibt köstliche Arepas mit Käsefüllung: Maisbrote, die gebraten, fritiert oder gebacken werden.
16.05
Rechtzzeitig aufgestanden und ausgeruht machen wir drei uns mit Rubén, ein Kollege von Lukas auf den Weg in zwei Barrios in denen Concern verschiedene Projekte und Jugend-, Frauen- und Seniorengruppen betreut. Dank der Nähe Concerns zu den Familien haben wir die Möglichkeit einen sehr autentischen Eindruck von den Lebens- und Arbeitsumständen in den beiden Vierteln zu bekommen. Beide Stadtviertel sind fast ausschliesslich von Desplazados bewohnt. Dies sind Personen, die ihres Landes enteignet und vertrieben wurden, meist durch bewaffnete Gruppen (in der Regel NICHT durch die Guerilla, sondern durch Paramilitärs). Hinter den Vertreibungen stecken meist wirtschaftliche oder private Interessen, z.B Ausbeutung von Bodenschätzen durch Grossfirmen. Eine Gruppe von Vertriebenen hat sich so vor 10 Jahren in Ibagué vereinigt, um sich illegal in eben diesem Teil Ibagués niederzulassen, da sie vorher meist verstreut in verschiedensten Stadtteilen gelebt haben. Inzwischen ist das Gebiet auch durch Hilfe internationaler NGO´s , wie Concern, anerkannt und es leben ca. 400 Familien in den beiden Vierteln. Die Verpflichtungen des Staates, den Familien einen adäquaten Ersatz für ihren Verlust (Haus, Land) zu geben wurde durch den Druck der Menschen und der Hilfe der Organisationen eingefordert. Der Grossteil der Personen hat daraufhin zumindest ein Haus mit Strom und Wasser vom Staat erhalten, wenngleich die Entschädigung nicht den wirtschaftlichen und sozialen Verlusten entspricht, den die Familien erlitten haben. In ganz Kolumbien gibt es ca. 4 Mio Inlandsvertriebene, fast 10% der Gesamtbevölkerung. Kolumbien ist somit auf Platz zwei hinter dem Sudan.
Concern koordiniert nicht nur zwei Hilfsgüterprogramme für diese Bevölkerung, sondern leitet die verschiedenen Gruppen, bildet deren Führungspersonen weiter und unterstützt konkrete Projekte von Kleinunternehmen. So konnten wir drei Mini-Unternehmen kennen lernen, die eine Startfinanzierung durch Concern und die Kirche erhalten haben: 6 Frauen, die eine Schusterei zur Herstellung von Frauenschuhen betreiben, eine Kunstgewerbe-Werkstatt und eine Fahrradwerkstatt. An dieser Stelle zeigt sich durch viel Eigeninitiative und Hilfe, dass obwohl die Situation der Familien oft sehr aussichtslos scheint, eine Verbesserung der Umstände möglich ist. Wir nehmen viele bewegende Bilder von diesen Begegnungen mit und fühlen uns danach in Lukas zuerst bescheiden wirkenden Haus luxuriös eingerichtet.
Der nächtliche Partyausflug mit Salsa, Merengue und Vallenato in Begleitung von Lukas und einigen kolumbianischen Freunden ist ein starkes Kontrastprogramm, so wie dieses Land von extremen Gegensätzen geprägt ist. (Leider ohne Bilder)
17.05
Autoausflug! Das heisst 15 Stunden Kolumbien pur, 350 km bergauf-bergab, bis auf 3200Meter hoch, durch die Zentralkordillere, vorbei an Kaffeeplantagen, Bananen, Bambus und Palmen. Auf der einzigen Ost-West Verbindungstrasse werden wir von stinkenden LKW, aller Alters- und Grössenkategorien begleitet. Am Wegesrand werden in Holzhütten neue Bremsen verkauft, LKW gewaschen, Essen angeboten und vieles mehr. Man kann kaum auf Fotos festhalten, was in der kurzen Zeit an Eindrücken vorbeirauscht. Nach einem Stop auf einer Kaffee-Farm wissen wir, dass die Frucht rot und die Bohne weiss statt braun ist. Die Städte, die wir auf dem Weg kennenlernen erzählen mehr von Kolonial-Geschichte als Ibagué, auch wenn die Hochhäuser und Armenviertel ein ähnliches Bild liefern. Besonders beeindruckend ist die Kirche von Pereira, in neugotischem Stil, mit einem Dachstuhl aus Holz. Leider kommen wir erst im dunkeln durch Amero, eine Stadt die 1985 nach einem Vulkanausbruch von einer Schlammlawine weggespült wurde. Kollege und Reiseführer Rubén, der mit seiner Familie das Unglück überlebt hat, schildert bewegt weitere Details. Von den ehemals 28000 Einwohnern haben etwa 5000 das Unglück überlebt. Die Stadt wurde nie wieder aufgebaut. Übrig geblieben sind einige Ruinen, die an die Katastrophe erinnern sollen. Für Concern Universal (England) entstand daraus das erste Hilfsprojekt in Kolumbien und der Anstoss zur Gründung einer Niederlassung in Ibagué. Mit steifem Nacken und eingeschlafenen Beinen sind wir spät wieder in Ibagué.
18.05
Ruhetag: Ausschlafen, gemütlich frühstücken, Obstkunde, Internetcafé, Verabschiedung, rüsten für die nächtliche Fahrt nach Medellín.
Hier zu den Fotos:
Nach 24 h Auto, Flieger, Bus und Taxi sind wir wohlbehalten und müde in Ibague angekommen. Die 7 Stunden Zeitverschiebung geben uns die Zeit zum Ausschlafen in Lukas gemütlichem Bett unter Moskitonetz. Am kommenden Tag machen wir uns nach spätem Frühstück und Geschenke auspacken auf, um Lukas Wirkungsstätte und die Leute von Concern International kennen zu lernen.
Die Mitarbeiter heissen uns herzlich Willkommen und es begegnet uns ein buntes Treiben mit vielen Kindern, die dort im Kindergarten sind oder in der Hausaufgabenbetreung. Die Anlage mit den bunten Gebäuden wirkt freundlich, wenngleich die Gruppenräume der Kinder klein sind, wenige Fenster haben und der Betonboden kalt wirkt. Umso beeindruckender, dass alles mit viel Freundlichkeit, Gelassenheit und Ordnung einhergeht.
Das Aussengelände ist steil am Hang mit unterschiedlichsten heimischen Pflanzen und auf dem ‘Friedenspfad´, der durch das Gelände fuehrt stehen wir plötzlich wie verpflanzt unter einer Bananenstaude – siehe Foto.
Den Tag über verbringen wir in der Organisation und im Viertel und Abends gibt´s den ersten Unterricht Spanisch-Deutsch mit einigen Kollegen , die ihre ersten Gehversuche mit Deutsch machen, so wie wir mit Spanisch.
13.05
Man gewöhnt sich schnell an die hiesigen Lebensbedingungen, die Hitze, das Essen, eine andere Dynamik des Tages und die Freundlichkeit der Menschen. Unser geplanter Ausflug in die „Tatacoa Wüste“ startet um vier Uhr morgens mit Maris, die Freundin von Luis und Don Daniel alles Mitbewohner in Lukas´ WG. Das Taxi, ein mehr oder weniger geländetauglicher Hyunday-Alto von Don Daniel...sportlich gefahren, bringt uns übers Land, nach dreistündiger Fahrt ins letzte Dorf vor der „Wüste“. Mit einer einheimischen Führerin im Taxi fahren wir über die Schotterpiste zum Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung, in einer Landschaft, die vormals ein Salzsee war. Durch Erosionen ist ein hügeliges Labyrinth aus trockenem Lehmboden entstanden, das durch zahlreiche Kakteen und spärliche Bäumchen grüner ist, als das Wort Wüste vermuten lässt. Wie Stalagmieten stehen Türme aus Lehm und Stein an den Stellen, an denen die Erde härter ist, als in der Umgebung, am Kopf geschmückt mit grünen Kakteen. Eine Kakteensorte wird Kopf der Schwiegermutter genannt, nicht schmeichelhaft, aber sie tragen kleine Pink-farbene Früchte, die sehr lecker sind.
Viele Einheimische kennen die Schönheiten des Landes nicht, die wir schon am zweiten Tag kennen lernen durften.
Danach geht es zum obligatorischen Mittagessen nach Neiva in einem Restaurant.
Unser weiterer Weg fuehrt uns zu Thermalquellen ´´Rivera´´ zum Erfrischen und Ausruhen, eine heisse und eine kalte Quelle für kranke und gesunde Glieder alles rustikal und spartanisch, wie ein kleines Freibad ohne Liegewiese. Witzig ist das Hinweisschild: ´´nicht in die Umkleidekabine pinkeln´´, ansonsten gibt es hier viel weniger Schilder als bei uns.
Nach vier Stunden Autofahrt mit kurzen Tankpausen für das kleine doch sehr geschundene Auto kommen wir voller Eindruecke und gut durchgeschuettelt ´´Zu Hause´´ an. Als gute Nachttrunk gibts kalte Cerveza, auch um 23 Uhr noch in einem der vielen kleinen Lädchen um die Ecke zu kaufen – muy rico.
14.05
Nach erneutem Spätstück und Auskurieren der Reisestrapazen nutzen wir den Tag, um ein wenig mehr in das Geschehen im Viertel und der Organisation einzusteigen. Mittags in Lukas „Stammrestaurant“ lernen wir Kochbanane („Platano“) und weitere kolumbianische Spezialitäten kennen, besonders die frischen „Jugos“, Fruchtsäfte, die aus verschiedenen frischen Früchten, Wasser und Zucker zubereitet werden. Im Nachmittag geht es mit ca. 25 Kindern aus der Freizeitbetreuung auf den hinterm Viertel liegenden „Berg“, Privatgelände auf dem viele Obstbäume stehen. Egal ob Sandale, Gummilatsche, oder Turnschuhe, alle Kinder kommen trotz Schlamm und Steigung wohlbehalten rauf und wieder runter. Viel Spass nicht nur für die Kinder, sondern auch für die freiwilligen Betreuer und natürlich uns (siehe Fotos). Im frühen Abend haben wir eine weitere Deutsch-Spanischkunde mit Possesivpronomen („Besitzanzeigende Fürwörter) und jede Menge Wortsalat.
15.05
Mit dem Taxi in die Stadt, vorbei an den vielen „Wohnzimmern“, will heissen, dass Arbeiten und Wohnen in ein und dem selben Haus stattfindet. Auch der Bürgersteig vorm Haus wird mitbenuzt. Ob es ein Internetcafé, Milchverkauf, Autowerkstatt, Handyminutenverkauf, ne Bäckerei oder O-Saftstand ist, alles ist im und um die Wohnung herum organisiert und improvisiert. Der Schreiner lackiert auf der Strasse der Motor wird am Strassenrand gewechselt. Dazu kommen die zahlreichen Mobilen Verkäufer, die schon früh morgens mit fritierten Teigtaschen, Gemüse, Obst und ähnlichem auf Fahrrad, Motorrad oder zu Fuss durch die Viertel ziehen.
Trotz der 500.000 Einwohner ist das Stadtzentrum überschaubar und architektonisch grösstenteils unatraktiv, ein gemischtes Chaos verschiedener Baustile, alte Gebäude mit klassisch offenem Innenhof neben alten Kirchen und Hochhäusern mit Betonfassaden. Dazwischen improvisierte Verkaufsstände aus Stein, Holz, Bambus, Plastikfolie und Blech. Viel interessanter sind die unterschiedlichsten Menschen, die vielen Farben und das Treiben und die Verkäufe auf offener Strasse. Hinzu kommen normale Läden, die westlicher anmuten und eher Leuten mit „etwas mehr“ Geld zur Verfügung stehen. Zum Mittag kehren wir in ein gutes Restaurant im Zentrum ein und sind erstaunt, dass Kind und Kegel das grosse Restaurant bis auf den letzten Platz füllen. Die Leute, die genug Geld für Essen haben (aber nicht reich sind) gehen regelmässig zum Mittagessen ins Restaurant, was im Verhältniss zum Wert der Lebensmittel nur unwesentlich teurer ist (aufgrund der niedrigen Löhne des Personals).
Am Nachmittag verarbeiten wir die Eindrücke und erholen uns von dem schwülwarmen Wetter. Die immerkalte Dusche tut gut. Zum Abendessen sind wir bei Daniels Familie (ehemaliger Mitarbeiter und Freund von Lukas) eingeladen. Es gibt köstliche Arepas mit Käsefüllung: Maisbrote, die gebraten, fritiert oder gebacken werden.
16.05
Rechtzzeitig aufgestanden und ausgeruht machen wir drei uns mit Rubén, ein Kollege von Lukas auf den Weg in zwei Barrios in denen Concern verschiedene Projekte und Jugend-, Frauen- und Seniorengruppen betreut. Dank der Nähe Concerns zu den Familien haben wir die Möglichkeit einen sehr autentischen Eindruck von den Lebens- und Arbeitsumständen in den beiden Vierteln zu bekommen. Beide Stadtviertel sind fast ausschliesslich von Desplazados bewohnt. Dies sind Personen, die ihres Landes enteignet und vertrieben wurden, meist durch bewaffnete Gruppen (in der Regel NICHT durch die Guerilla, sondern durch Paramilitärs). Hinter den Vertreibungen stecken meist wirtschaftliche oder private Interessen, z.B Ausbeutung von Bodenschätzen durch Grossfirmen. Eine Gruppe von Vertriebenen hat sich so vor 10 Jahren in Ibagué vereinigt, um sich illegal in eben diesem Teil Ibagués niederzulassen, da sie vorher meist verstreut in verschiedensten Stadtteilen gelebt haben. Inzwischen ist das Gebiet auch durch Hilfe internationaler NGO´s , wie Concern, anerkannt und es leben ca. 400 Familien in den beiden Vierteln. Die Verpflichtungen des Staates, den Familien einen adäquaten Ersatz für ihren Verlust (Haus, Land) zu geben wurde durch den Druck der Menschen und der Hilfe der Organisationen eingefordert. Der Grossteil der Personen hat daraufhin zumindest ein Haus mit Strom und Wasser vom Staat erhalten, wenngleich die Entschädigung nicht den wirtschaftlichen und sozialen Verlusten entspricht, den die Familien erlitten haben. In ganz Kolumbien gibt es ca. 4 Mio Inlandsvertriebene, fast 10% der Gesamtbevölkerung. Kolumbien ist somit auf Platz zwei hinter dem Sudan.
Concern koordiniert nicht nur zwei Hilfsgüterprogramme für diese Bevölkerung, sondern leitet die verschiedenen Gruppen, bildet deren Führungspersonen weiter und unterstützt konkrete Projekte von Kleinunternehmen. So konnten wir drei Mini-Unternehmen kennen lernen, die eine Startfinanzierung durch Concern und die Kirche erhalten haben: 6 Frauen, die eine Schusterei zur Herstellung von Frauenschuhen betreiben, eine Kunstgewerbe-Werkstatt und eine Fahrradwerkstatt. An dieser Stelle zeigt sich durch viel Eigeninitiative und Hilfe, dass obwohl die Situation der Familien oft sehr aussichtslos scheint, eine Verbesserung der Umstände möglich ist. Wir nehmen viele bewegende Bilder von diesen Begegnungen mit und fühlen uns danach in Lukas zuerst bescheiden wirkenden Haus luxuriös eingerichtet.
Der nächtliche Partyausflug mit Salsa, Merengue und Vallenato in Begleitung von Lukas und einigen kolumbianischen Freunden ist ein starkes Kontrastprogramm, so wie dieses Land von extremen Gegensätzen geprägt ist. (Leider ohne Bilder)
17.05
Autoausflug! Das heisst 15 Stunden Kolumbien pur, 350 km bergauf-bergab, bis auf 3200Meter hoch, durch die Zentralkordillere, vorbei an Kaffeeplantagen, Bananen, Bambus und Palmen. Auf der einzigen Ost-West Verbindungstrasse werden wir von stinkenden LKW, aller Alters- und Grössenkategorien begleitet. Am Wegesrand werden in Holzhütten neue Bremsen verkauft, LKW gewaschen, Essen angeboten und vieles mehr. Man kann kaum auf Fotos festhalten, was in der kurzen Zeit an Eindrücken vorbeirauscht. Nach einem Stop auf einer Kaffee-Farm wissen wir, dass die Frucht rot und die Bohne weiss statt braun ist. Die Städte, die wir auf dem Weg kennenlernen erzählen mehr von Kolonial-Geschichte als Ibagué, auch wenn die Hochhäuser und Armenviertel ein ähnliches Bild liefern. Besonders beeindruckend ist die Kirche von Pereira, in neugotischem Stil, mit einem Dachstuhl aus Holz. Leider kommen wir erst im dunkeln durch Amero, eine Stadt die 1985 nach einem Vulkanausbruch von einer Schlammlawine weggespült wurde. Kollege und Reiseführer Rubén, der mit seiner Familie das Unglück überlebt hat, schildert bewegt weitere Details. Von den ehemals 28000 Einwohnern haben etwa 5000 das Unglück überlebt. Die Stadt wurde nie wieder aufgebaut. Übrig geblieben sind einige Ruinen, die an die Katastrophe erinnern sollen. Für Concern Universal (England) entstand daraus das erste Hilfsprojekt in Kolumbien und der Anstoss zur Gründung einer Niederlassung in Ibagué. Mit steifem Nacken und eingeschlafenen Beinen sind wir spät wieder in Ibagué.
18.05
Ruhetag: Ausschlafen, gemütlich frühstücken, Obstkunde, Internetcafé, Verabschiedung, rüsten für die nächtliche Fahrt nach Medellín.
Hier zu den Fotos:
Mittwoch, 29. April 2009
April
Hola,
Da bin ich wieder aus dem sehr sommerlichen Ibagué. Der April ist fast vorbei und ich will garnicht rumnörgeln, dass alles so schnell geht…so ist es nunmahl.
Was hab ich im April denn gemacht fragt ihr euch…und ich mich auch. Vielleicht fange ich mit der Woche vor Ostern an. Diese Woche hat hier in Kolumbien 2 Feiertage: Gründonnerstag und Karfreitag (auch wenn sie hier einfach Jueves y viernes santo heissen (heiliger Donnerstag und Freitag). Wir hatten das Glück die ganze Woche frei zu haben, sodass ich die Tage genuzt habe, weitere Teile Kolumbiens kennenzulernen. Hierbei musste ich feststellen, dass der Freitag und der Donnerstag hier wirklich “heilig” sind. Ich bin also am Dienstagnachmittag von Ibagué im Bus nach Dagotá aufgebrochen…ein Kaff 7 Busstunden nördlich von hier. Dort bin ich aussgestiegen und weiter nach Barrancabermeja gefahren (worden). Warum Barrancabermeja? Ich habe im Urlaub im Januar eine Kolumbianerin und einen Deutschen kennengelernt, die aus Barranca und Bucaramanga (2 Stunden von Barranca) kommen, bzw. dort wohnen und arbeiten. Auch sie haben zufälligerweise Verbindungen zum Red in Medellín. Also habe ich mir überlegt in eine Stadt zu fahren, wo ich bereits jemanden kenne, denn alleine ne Stadt erkunden macht nicht so viel Spass (und ist hier vielleicht als Ausländer auch nicht so ratsam). Barranca ist in erster Linie HEISS. Danach ist erwähnenswert, dass es eine Ölstadt ist, dass heisst in der Region wurde lange Zeit viel Öl gefördert, wobei sich heute die Industrie eher auf die Raffinisierung beschränkt. Die Stadt selber ist nicht besonders späktakulär, hat jedoch eine sehr interesante Geschichte, eben aufgrund des Öls. Ecopetrol, die ehemalig staatliche ölfirma hat hier ihren Hauptsitz und im Zusammenhang mit den zahlreichen Ecopetrolarbeitern entstanden auch hier Gewerkschaften. Dies ist in Kolumbien nicht so selbstverst¨nadlich wie in Deutschland und so ist es interessant, dass auch die Paramilitärs, die keineswegs ein selbstläufer irgendwelcher bewaffneter Gruppen sind, in diesem Gebiet (Magdalena-Medio: der Rio Magdalena ist der längste und grösste Fluss Kolumbiens) in den 80 er Jahren entsanden sind, oder besser gebildet wurden. Barrancabermeja war also lange Zeit eine Stadt, die von bewaffneten Auseinandersetzungen, Bombenanschlägen, Massakern etc. geprägt war.
Heute ist die Situation zwar ruhiger, das heisst jedoch nicht, dass die Paramilitärs verschwunden und die Gewerkschaften befriedigt sind, sondern eher, dass die Kontrolle über die Zone militärisch gesichert wird und es weniger soziale Bewegungen gibt als früher. Ich will euch nicht mit politischer Situation und Geschichte aufhalten, nur ein wenig euer Interesse wecken.
Jedenfalls habe ich ordentlich geschwitzt... 35-40 Grad und eine schwüle Luft, da kann man sich kaum dran gewöhnen! Und es war wohl das erste Mal, dass ich in der Nacht den Lärm des Ventilators, der Hitze vorgezogen habe. In den drei Tagen, die ich dort war habe ich also die Stadt kennengelernt, das erste Mal im Leben einen üppigen Avocadobaum gesehen und selbst geernet (mind.35 Avocados) und den Río Magdalena aus nächster Nähe sehen können (Baden sollte man lieber vermeiden – ich glaube zwar, dass die Krokodile aus Gabriel García Márquez´ Erzählungen die geringere Gefahr darstellen, wegen der Verschmutzung und der Strömung ist es aber dennoch nicht ratsam). Da der Donnerstag und Freitag ja Feiertage waren, war ziemlich wenig los. Selbst die Busse fuhren nicht (das hab ich hier noch nie erlebt). Gut, dass in Barranca eine eigene Transportkultur besteht: Die Taxis, die hier ohne Taxometer meist für 4000-6000 Pesos (1,50-2 Euro) fast überall hinfahren, werden von den illegalen Taxis unterboten. Diese Motorradtaxis sind darán zu erkennen, dass sie ständig hupen und der Fahrer nen Helm und die zweite Warnweste am Handgelenk baumeln hat. Mit dem Motorrad wird man also für 50 Cent an jeden beliebigen Ort der Stadt gefahren… wir haben trotzdem das normale Taxi bevorzugt ;) Wegen dem heissen Klima ist die Stadt ein Paradies für Leguane. Als ich an der Küste einmal einen gesehen habe (siehe Fotos Urlaub) war ich ganz begeistert…und schon war er weg. In Barranca gibts stellen, da laufen die im Park rum, wie bei uns die Enten.
Am Samstagmorgen (vor Ostersonntag) bin ich dann sehr früh den Rückweg angetreten. Da die Semana Santa eine sehr beliebte Reisewoche ist, sind die Busse überfüllt und teurer als sonst. Da ich einmal umsteigen musste bin ich dann am stressfreieren Tag, dem Samstag gefahren. Der Ostersonntag ist im Gegensatz zu Deutschland völlig uninteressant, während der Donnerstag und Freitag mit Prozessionen und Kirchbesuchen sehr viel wichtiger ist.
Am Montag habe ich dann wieder gearbeitet. Zurzeit arbeite ich viel mit den Kindern hier aus Tierra firme (das ist das Viertel). Das heisst ich mache Bastelstunden, Sport oder Spiele auf dem Fussballplatz oder ähnliches. Das Wochenende war ein bisschen entäusschend. Ich hätte gerne was unternommen, hatte jedoch niemanden oder niemanden mit Lust (bzw. Geld) wegzugehen oder mir irgendwas neues hier zu zeigen…halb so wild, denn Mittwoch bin ich schon wieder von Ibagué nach Medellín aufgebrochen, um mir dort das Theaterstück der Theatergruppe des Red Juvenil anzuschauen.
Die Gruppe, die eigentlich aus ca.11 Leuten besteht reist mit 6 Personen nach Deutschland, um dort an einem internationalen Theaterfestival von Brot für die Welt teilzunehmen. Mit Ihrem Stück “entre cuerpos y tambores” (“zwischen Körpern und Trommeln”) werden sie ein kritisches aber sehr autentisches Bild von Kolumbien präsentieren. Nach der Vorstellung in Stuttgart machen sie eine kleine Deutschland, Belgien, Spanien Tour. Auch in Aachen werden sie stationieren, und in kürze werdet ihr alle mit Einladungen versorgt! Die Idee meines Besuchs, war jedoch nicht nur das Stück zu sehen, sondern auch gemeinsam mit der Gruppe ihren Aufenthalt ein wenig vorzubereiten. Den Donnerstag und Freitag haben wir also ausserhalb von Medellín in einer Finca Themen wie: Kontext der beiden Länder, Fragen die in Deutschland zuerst gestellt bzw. beantwortet werden, ein paar typisch Deutsche Dinge etc. besprochen. Der Samstag war leider schon wieder der letzte Tag in Medellín. Ich bin sehr früh auf, um an einer Umfrage mitzuwirken, die verschiedene Organisationen der Stadt, die sich in einem Netzwerk zusammentun, initiert haben. Auch das Red hat viel mitorganisiert. In dem Barrio “La Cruz”, ein sehr armes barrio Medellíns, gelegen am Hang ca. 30 min. im Bus vom Zentrum, werden alle Häuser aufgenommen und die Familien befragt. Der Fragebogen umfasst 7 Seiten und beinhaltet verschiedenste Bereiche. Von einer Bestandsaufnahme der Häuser, samt Zustand, Materialen, Alter, haben wir die Leute über ihre Einkommen, Ausgaben, Herkünfte, Wünsche, sprich über fast alles befragt. Ich habe an diesem Tag 7 Familien “geschafft”, und war danach selber ordentlich “geschafft”. Erstens ist falle ich total auf…nicht nur durchs aussehen, auch durch meinen Akzent. Es ist garnicht so leicht so einen komplizierten Fragebogen auszufüllen, und besonders Daten, wie Namen und Nachnamen. Was aber viel bedrückender war, die Inhalte der Fragebogen zu verarbeiten. Ich habe nicht nur einen genauen Einblick in die Wohnsituation der Familien bekommen, so haben von den sieben Familien 3 Familien mindestens einen angehörigen durch die “Violencia” (Gewalt bzw. hier: gewaltvollen Auseinandersetzungen bewaffneter Gruppen in den barrios) verloren. Desweiteren haben alle Familien ausgesagt, dass sie regelmässig aufs Essen verzichten, um die Strom und Wasserrechnung zu bezahlen, un dalle haben schonmal den Strom, das Wasser für mehrere Monate abgestellt bekommen. Eine dreiköpfige Familie aus dem barrio hat ungefähr 60.000 Pesos (20 Euro)im Monat für Essen zu Verfügung, und verdient die Hälfte des Mindesteinkommen. Die 2-3 Zimmer werden meist mit 6 Leuten geteilt und ich habe in einem der sieben Häuser den Ehemann angetroffen. 3 Mütter waren alleinerziehend…alles in allem sehr traurige Ergebnisse. Eine Frage, bzw. die Antworten haben mich besonders beeindruckt. Auf die Frage “Was ist Ihr Traum”, hier einige der Antworten:
• “Einen Beruf und ein eigenes Einkommen”
• “andere Sprachen lernen”
• “Gesundheit und einen Job”
• “Ich würde gerne Medizin studieren”
• “Mein Haus fertig stellen” (bezog sich in dem Fall auf ein Zimmer des sonst gemauerten Hauses, das aus Holzplanken und Papen bestand)
Zuerst hab ich gefürchtet ich würde mehr Platz brauchen, aber die meisten der Leute (Mütter) haben sehr schlichte für uns normale Wünsche. Keiner hat geantwortet: “Reichtum, Ferrari, ne Villa und Urlaub”, obwohl sie dieses Leben in zahlreichen Soaps und Fernsehsendungen regelmässig im Fernsehen sehen. Ich habe nur wenige Fotos gemacht, da ich es nicht als Ausflug oder Besichtigung angesehen habe, es eine Umfrage war. Und onehin dringt man sehr in die Privatsphäre dieser Leute ein, zumal als Ausländer. Die Frage des Sinns dieser Aktion habe ich gerne beantwortet. Die Organisationen wollen die Situation in diesem (und zahlreichen anderen) barrio visiblisieren und eine Karte an die Stadt verfassen. Medellín wie gesagt sieht auf den ersten Blick ganz anders aus: fortschrittlich, wettbewerbstüchtig, und touristisch. Aber die dunklen Seiten (barrios) werden beswusst ausgeblendet und alles tolle promoted.
Mit diesen Eindrücken bin ich im Abend zurück nach Ibagué gefahren. Nach 8 Stunden im Bus bin ich etwas müde, aber gut angekommen. Da der geplante Workshop nicht stattfand, konnte ich dann entspannt ausschlafen und den Sonntag zum Heimputz und Internetten nutzen. Gestern (Montag) hatten wir eine sehr interesante Fortbildung über den “Estado social de derecho”. Jaime, der Koordinator der fundación hatte diesen Workshop vorbereitet. Insgesamt ca. 50 Leute haben teilgenommen…alles in allem ein sehr interesantes Thema und eine gute Methodik in der Arbeitsweise, da nicht (wie sonst häufig) ein Vortrag gehalen wurde, sondern eine offene Diskussion und Kleingruppenarbeit angesagt waren.
Das kommende Wochenende ist erster Mai. Wahrscheinlich mache ich einen Ausflug mit der Jugendgruppe…die Maibaumtradition ist hier eher unbekannt ;)
Am 11. Mai werden dann Andrea und Stephan zu Besuch kommen. Falls Ihr also irgendwetwas mitteilen wollt, was über email eher doof ist, dann am Besten auf diesem Wege. Der letzte Postbrief war zwar sehr schnell, aber es dauert normalerweise mind 5-6 Wochen.
Ich schicke viele Grüsse nach Aachen…stellt viele Maibäume! Fotos folgen hier :
Lukas
Da bin ich wieder aus dem sehr sommerlichen Ibagué. Der April ist fast vorbei und ich will garnicht rumnörgeln, dass alles so schnell geht…so ist es nunmahl.
Was hab ich im April denn gemacht fragt ihr euch…und ich mich auch. Vielleicht fange ich mit der Woche vor Ostern an. Diese Woche hat hier in Kolumbien 2 Feiertage: Gründonnerstag und Karfreitag (auch wenn sie hier einfach Jueves y viernes santo heissen (heiliger Donnerstag und Freitag). Wir hatten das Glück die ganze Woche frei zu haben, sodass ich die Tage genuzt habe, weitere Teile Kolumbiens kennenzulernen. Hierbei musste ich feststellen, dass der Freitag und der Donnerstag hier wirklich “heilig” sind. Ich bin also am Dienstagnachmittag von Ibagué im Bus nach Dagotá aufgebrochen…ein Kaff 7 Busstunden nördlich von hier. Dort bin ich aussgestiegen und weiter nach Barrancabermeja gefahren (worden). Warum Barrancabermeja? Ich habe im Urlaub im Januar eine Kolumbianerin und einen Deutschen kennengelernt, die aus Barranca und Bucaramanga (2 Stunden von Barranca) kommen, bzw. dort wohnen und arbeiten. Auch sie haben zufälligerweise Verbindungen zum Red in Medellín. Also habe ich mir überlegt in eine Stadt zu fahren, wo ich bereits jemanden kenne, denn alleine ne Stadt erkunden macht nicht so viel Spass (und ist hier vielleicht als Ausländer auch nicht so ratsam). Barranca ist in erster Linie HEISS. Danach ist erwähnenswert, dass es eine Ölstadt ist, dass heisst in der Region wurde lange Zeit viel Öl gefördert, wobei sich heute die Industrie eher auf die Raffinisierung beschränkt. Die Stadt selber ist nicht besonders späktakulär, hat jedoch eine sehr interesante Geschichte, eben aufgrund des Öls. Ecopetrol, die ehemalig staatliche ölfirma hat hier ihren Hauptsitz und im Zusammenhang mit den zahlreichen Ecopetrolarbeitern entstanden auch hier Gewerkschaften. Dies ist in Kolumbien nicht so selbstverst¨nadlich wie in Deutschland und so ist es interessant, dass auch die Paramilitärs, die keineswegs ein selbstläufer irgendwelcher bewaffneter Gruppen sind, in diesem Gebiet (Magdalena-Medio: der Rio Magdalena ist der längste und grösste Fluss Kolumbiens) in den 80 er Jahren entsanden sind, oder besser gebildet wurden. Barrancabermeja war also lange Zeit eine Stadt, die von bewaffneten Auseinandersetzungen, Bombenanschlägen, Massakern etc. geprägt war.
Heute ist die Situation zwar ruhiger, das heisst jedoch nicht, dass die Paramilitärs verschwunden und die Gewerkschaften befriedigt sind, sondern eher, dass die Kontrolle über die Zone militärisch gesichert wird und es weniger soziale Bewegungen gibt als früher. Ich will euch nicht mit politischer Situation und Geschichte aufhalten, nur ein wenig euer Interesse wecken.
Jedenfalls habe ich ordentlich geschwitzt... 35-40 Grad und eine schwüle Luft, da kann man sich kaum dran gewöhnen! Und es war wohl das erste Mal, dass ich in der Nacht den Lärm des Ventilators, der Hitze vorgezogen habe. In den drei Tagen, die ich dort war habe ich also die Stadt kennengelernt, das erste Mal im Leben einen üppigen Avocadobaum gesehen und selbst geernet (mind.35 Avocados) und den Río Magdalena aus nächster Nähe sehen können (Baden sollte man lieber vermeiden – ich glaube zwar, dass die Krokodile aus Gabriel García Márquez´ Erzählungen die geringere Gefahr darstellen, wegen der Verschmutzung und der Strömung ist es aber dennoch nicht ratsam). Da der Donnerstag und Freitag ja Feiertage waren, war ziemlich wenig los. Selbst die Busse fuhren nicht (das hab ich hier noch nie erlebt). Gut, dass in Barranca eine eigene Transportkultur besteht: Die Taxis, die hier ohne Taxometer meist für 4000-6000 Pesos (1,50-2 Euro) fast überall hinfahren, werden von den illegalen Taxis unterboten. Diese Motorradtaxis sind darán zu erkennen, dass sie ständig hupen und der Fahrer nen Helm und die zweite Warnweste am Handgelenk baumeln hat. Mit dem Motorrad wird man also für 50 Cent an jeden beliebigen Ort der Stadt gefahren… wir haben trotzdem das normale Taxi bevorzugt ;) Wegen dem heissen Klima ist die Stadt ein Paradies für Leguane. Als ich an der Küste einmal einen gesehen habe (siehe Fotos Urlaub) war ich ganz begeistert…und schon war er weg. In Barranca gibts stellen, da laufen die im Park rum, wie bei uns die Enten.
Am Samstagmorgen (vor Ostersonntag) bin ich dann sehr früh den Rückweg angetreten. Da die Semana Santa eine sehr beliebte Reisewoche ist, sind die Busse überfüllt und teurer als sonst. Da ich einmal umsteigen musste bin ich dann am stressfreieren Tag, dem Samstag gefahren. Der Ostersonntag ist im Gegensatz zu Deutschland völlig uninteressant, während der Donnerstag und Freitag mit Prozessionen und Kirchbesuchen sehr viel wichtiger ist.
Am Montag habe ich dann wieder gearbeitet. Zurzeit arbeite ich viel mit den Kindern hier aus Tierra firme (das ist das Viertel). Das heisst ich mache Bastelstunden, Sport oder Spiele auf dem Fussballplatz oder ähnliches. Das Wochenende war ein bisschen entäusschend. Ich hätte gerne was unternommen, hatte jedoch niemanden oder niemanden mit Lust (bzw. Geld) wegzugehen oder mir irgendwas neues hier zu zeigen…halb so wild, denn Mittwoch bin ich schon wieder von Ibagué nach Medellín aufgebrochen, um mir dort das Theaterstück der Theatergruppe des Red Juvenil anzuschauen.
Die Gruppe, die eigentlich aus ca.11 Leuten besteht reist mit 6 Personen nach Deutschland, um dort an einem internationalen Theaterfestival von Brot für die Welt teilzunehmen. Mit Ihrem Stück “entre cuerpos y tambores” (“zwischen Körpern und Trommeln”) werden sie ein kritisches aber sehr autentisches Bild von Kolumbien präsentieren. Nach der Vorstellung in Stuttgart machen sie eine kleine Deutschland, Belgien, Spanien Tour. Auch in Aachen werden sie stationieren, und in kürze werdet ihr alle mit Einladungen versorgt! Die Idee meines Besuchs, war jedoch nicht nur das Stück zu sehen, sondern auch gemeinsam mit der Gruppe ihren Aufenthalt ein wenig vorzubereiten. Den Donnerstag und Freitag haben wir also ausserhalb von Medellín in einer Finca Themen wie: Kontext der beiden Länder, Fragen die in Deutschland zuerst gestellt bzw. beantwortet werden, ein paar typisch Deutsche Dinge etc. besprochen. Der Samstag war leider schon wieder der letzte Tag in Medellín. Ich bin sehr früh auf, um an einer Umfrage mitzuwirken, die verschiedene Organisationen der Stadt, die sich in einem Netzwerk zusammentun, initiert haben. Auch das Red hat viel mitorganisiert. In dem Barrio “La Cruz”, ein sehr armes barrio Medellíns, gelegen am Hang ca. 30 min. im Bus vom Zentrum, werden alle Häuser aufgenommen und die Familien befragt. Der Fragebogen umfasst 7 Seiten und beinhaltet verschiedenste Bereiche. Von einer Bestandsaufnahme der Häuser, samt Zustand, Materialen, Alter, haben wir die Leute über ihre Einkommen, Ausgaben, Herkünfte, Wünsche, sprich über fast alles befragt. Ich habe an diesem Tag 7 Familien “geschafft”, und war danach selber ordentlich “geschafft”. Erstens ist falle ich total auf…nicht nur durchs aussehen, auch durch meinen Akzent. Es ist garnicht so leicht so einen komplizierten Fragebogen auszufüllen, und besonders Daten, wie Namen und Nachnamen. Was aber viel bedrückender war, die Inhalte der Fragebogen zu verarbeiten. Ich habe nicht nur einen genauen Einblick in die Wohnsituation der Familien bekommen, so haben von den sieben Familien 3 Familien mindestens einen angehörigen durch die “Violencia” (Gewalt bzw. hier: gewaltvollen Auseinandersetzungen bewaffneter Gruppen in den barrios) verloren. Desweiteren haben alle Familien ausgesagt, dass sie regelmässig aufs Essen verzichten, um die Strom und Wasserrechnung zu bezahlen, un dalle haben schonmal den Strom, das Wasser für mehrere Monate abgestellt bekommen. Eine dreiköpfige Familie aus dem barrio hat ungefähr 60.000 Pesos (20 Euro)im Monat für Essen zu Verfügung, und verdient die Hälfte des Mindesteinkommen. Die 2-3 Zimmer werden meist mit 6 Leuten geteilt und ich habe in einem der sieben Häuser den Ehemann angetroffen. 3 Mütter waren alleinerziehend…alles in allem sehr traurige Ergebnisse. Eine Frage, bzw. die Antworten haben mich besonders beeindruckt. Auf die Frage “Was ist Ihr Traum”, hier einige der Antworten:
• “Einen Beruf und ein eigenes Einkommen”
• “andere Sprachen lernen”
• “Gesundheit und einen Job”
• “Ich würde gerne Medizin studieren”
• “Mein Haus fertig stellen” (bezog sich in dem Fall auf ein Zimmer des sonst gemauerten Hauses, das aus Holzplanken und Papen bestand)
Zuerst hab ich gefürchtet ich würde mehr Platz brauchen, aber die meisten der Leute (Mütter) haben sehr schlichte für uns normale Wünsche. Keiner hat geantwortet: “Reichtum, Ferrari, ne Villa und Urlaub”, obwohl sie dieses Leben in zahlreichen Soaps und Fernsehsendungen regelmässig im Fernsehen sehen. Ich habe nur wenige Fotos gemacht, da ich es nicht als Ausflug oder Besichtigung angesehen habe, es eine Umfrage war. Und onehin dringt man sehr in die Privatsphäre dieser Leute ein, zumal als Ausländer. Die Frage des Sinns dieser Aktion habe ich gerne beantwortet. Die Organisationen wollen die Situation in diesem (und zahlreichen anderen) barrio visiblisieren und eine Karte an die Stadt verfassen. Medellín wie gesagt sieht auf den ersten Blick ganz anders aus: fortschrittlich, wettbewerbstüchtig, und touristisch. Aber die dunklen Seiten (barrios) werden beswusst ausgeblendet und alles tolle promoted.
Mit diesen Eindrücken bin ich im Abend zurück nach Ibagué gefahren. Nach 8 Stunden im Bus bin ich etwas müde, aber gut angekommen. Da der geplante Workshop nicht stattfand, konnte ich dann entspannt ausschlafen und den Sonntag zum Heimputz und Internetten nutzen. Gestern (Montag) hatten wir eine sehr interesante Fortbildung über den “Estado social de derecho”. Jaime, der Koordinator der fundación hatte diesen Workshop vorbereitet. Insgesamt ca. 50 Leute haben teilgenommen…alles in allem ein sehr interesantes Thema und eine gute Methodik in der Arbeitsweise, da nicht (wie sonst häufig) ein Vortrag gehalen wurde, sondern eine offene Diskussion und Kleingruppenarbeit angesagt waren.
Das kommende Wochenende ist erster Mai. Wahrscheinlich mache ich einen Ausflug mit der Jugendgruppe…die Maibaumtradition ist hier eher unbekannt ;)
Am 11. Mai werden dann Andrea und Stephan zu Besuch kommen. Falls Ihr also irgendwetwas mitteilen wollt, was über email eher doof ist, dann am Besten auf diesem Wege. Der letzte Postbrief war zwar sehr schnell, aber es dauert normalerweise mind 5-6 Wochen.
Ich schicke viele Grüsse nach Aachen…stellt viele Maibäume! Fotos folgen hier :
Lukas
Dienstag, 7. April 2009
genug gewartet.
Hallo Ihr Lieben,
Zurückgemeldet aus dem schwülwarmen, jedoch äusserst Aprilmässigem Ibagué. Heute und gestern war es äusserst heiss, obwohl es sonst regnet und regnet…und das fast überall. Aber ich habe ja ein Dach über dem Kopf und will mich nicht beklagen. Die (Oster-)Woche habe ich frei und werde vorraussichtlich heute (Dienstag) nach Barrancabermeja, einer Stadt nördlich der Hauptstadt Bogotá fahren, um dort Freunde zu besuchen, die ich an der Küste kennengelernt habe. Ursprünglich hatte ich andere Pläne, aber zu viel planen, das sollte man besser nicht. Die letzte Woche war bis auf einen kurzen Ausflug nach Bogotá relativ langweilig, weil die Halbjahrsauswertung anstand. Das heisst jeden Tag Team-Treffen von morgens bis abends in denen Formate mit Zahlen und Ergebnissen der Workshops, Aktionen und Kampagnen gefüllt wurden. Ausserdem eine qualitative Auswertung im Bezug auf die Strategie von Concern. Das war schon etwas interessanter obwohl meiner Meinung nach viel Zeit gebraucht wird, um relativ wenig zu machen. Ganz besonders wichtig und nie zu kurz kommt das essen. Um 10 Uhr gibts nen Snack, um 12 Mittagessen, um 4 nochmal nen Snack und dann das Abendessen. Und ehrlich gesagt, man gewöhnt sich dran und stellt sich drauf ein.
Drauf einstellen ist ein gutes Stichwort, um ein wenig über Begegnungen und selbstverständlichgewordene Dinge zu erzählen… Ich fange an mit den “panfletos” (Flugblätter), die hier vor ca. 3 Wochen an fas talle Häuser verteilt worden. Ihr fragt euch von wem…Ich mich auch. Denn die Absender nennen keinen Namen, Lassen jedoch per Bild auf die AUC (Autodefensas Unidas Colombia) zurückschliessen. Paramilitärs, die offiziell nicht (mehr) exisitieren, bzw. demobilisiert wurden. Verteilt bzw. verbereitet werden und wurden diese Zettel jedoch wahrscheinlich von der Bev¨lkerung selbst, da die Verfasser die Bevölkerung dazu aufrufen, die Zettel zu kopieren und zu verbreiten. Diese Zettel beinhalten Drohungen gegen Prostituierte, Drogensüchtige und “sozial Schwache”, die “beseitigt” werden sollten. Es wird wörtlich von “sozialer Säuberung” gesprochen, bei der auf zivile Opfer keine Rücksicht genommen werden könne. Daher sollte man sich nach 10 Uhr abends nicht mehr auf der Strasse aufhalten. Auch wenn es “nur” Drohungen sind, hat ein solcher Zettel einen Effekt, generiert Unsicherheit und grade in den ärmeren Vierteln halten sich die Leute eher darán, da hier Gewalt und Kontrolle solcher Gruppen viel normaler sind. Ich habe bei uns konkret keinen Effekt gemerkt. Natürlich haben wir drüber gesprochen, auch z.B mit den jugendlichen aus der Jugendgruppe, aber es ist auch falsch eine Panik deswegen zu machen. Diese Zettel wurden überdies nicht nur in Ibagué, sondern auch in Medellín, Cali und einigen anderen Städten verteilt. Die Polizei hat mit Zetteln reagiert in denen zur Mitarbeit der Bevölkerung aufgerufen wird, indem man die Zettel nicht kopiert und Leute anzeigt, die diese verteilen…Soweit dazu.
Der Regen, wie oben kurz angesprochen iste in weiteres Nachrichtenthema No. 1. Schade, dass in den Nachrichten immer nur die Grosstädte gezeigt werden, als wären diez die einzigen betroffenen Teile des Landes, obwohl die Dörfer in der Regel viel ärmer dran sind. Durch die Regenfälle sind die Strassen (zb. Bogotá-Ibagué) oft von umgestürzten Bäumen, Strommasten oder Steinschlägen lahmgelegt. Für uns ist ne ausgebaute Autobahn, wo wir mit mind. 130kmh langheizen können normal. Und auch wenn die Überlandstrassen hier sehr gut ausgebaut sind, ist es doch eine andere Reise ;) Auch im Stadtverkehr sieht man immerwieder sehr lustige, oder auch beängstigende Szenen. Z.b. das Foto mit dem Motorrad und den Blumen. Neuerdings wird man so angehalten. Bei dem Motorradfahrer, der die Glasscheibe in beiden Händen hält fragt man sich schon nach etwas mehr Sichherheitsverständnis. Doch mir scheint auch, als wenn die Polizei mehr dagegen tut. So werden Alkohol und Geschwindigkeitskontrollen gemacht und (bei Fahrer und Beifahrer) wird schonmal der Gurt kontrolliert. Drei Leute auf dem Motorrad, oder Leute, die auf ner Ladefläche von nem LKW mitfahren…kein Problem.
Bei einem Besuch einer Familie unseres Projektes haben wir einen sehr schönen Einblick in eine Metall-recycling Anlage bekommen. Direkt neben deren (Lehm-)Hütte steht also dieser Ofen, der von 5 Männern bedient wurde…Die Fotos sprechen für sich. Das Eisen wird wie die Kohle Ofen reingeschaufelt und unten kommts flüssige Eisen raus…eigentlich ganz einfach ;) Die Männer die teilweise mit nackten Armen da rum hantieren haben uns erzählt, das bis jetzt noch nie was passiert ist (und das obwohl sogar die volle Bierkiste immer in Reichweite steht). Das geschmolzene Eisen wird in dem Eimer aufgefangen und in Formen gegossen, die aus Erde und Holzkisten vorher von Ihnen gemacht wurden.
Bei einer anderen Familie, mit der wir arbeiten haben wir den Vater vor dem Haus (bzw. den 2 Zimmern) angetroffen, wie er in kurzer Hose, Barfuss, in T-Shirt und vor allem ohne Schutzbrille ein Fenster geschweisst hat. Für alle die nichht wissen was das heisst: beim schweissen sollte (muss) man eine Schutzbrille tragen, da das blau Licht der Flamme auf die Dauer die Augen schädigt und Blind macht. Das traurige an der Sache ist, das er keine andere Möglichkeit hat. Er hat keine Schutzbrille, das Gerät von nem Nachbarn ausgeliehen und brauch das Geld, um seine Familie zu ernähren. Eigentlich ist er Gitarrenbauer und repariert Musikinstrumente. Aber ohne Job arbeitet er, was es zu arbeiten gibt. Das hat er uns mit tränenden Augen erzählt, nicht etwa weil er traurig war…sondern nur weil die Augen durch das Licht so schmerzten…
Auch hiervon bekommmt man erstmal nichts mit, wenn man Kolumbien in ein para Wochen kennenlernt. Die Nachrichten haben eine andere geschickte Strategie die schlechten Nachrichten und die Fakten zu verkaufen. So lief gestern in den Nachrichten ein Bericht über einen Mann, der singt und tanzt (auf der Strasse, zwischen den fahrenden Autos) und Zeitungen verkauft. Das ist natürlich lustig, einen singenden, hüpfenden Opa zu sehen, der Zeitungen verkauft. Vor zwei Wochen das gleiche: Ein Mannim Fernsehen, der in Schlips und Anzug Obst und Gemüse an vorbeifahrende Autos verkauft. Sehr originell. Das aber tausende von Leuten sich von solchen Jobs ernähren müssen ist doch eigentlich traurig und nicht lustig!? Aber das Fernsehen muss ja auch mit irgendwas gefüllt werden. Und wenn die FARC grade keinen guten Bericht abliefern, der Regen im Land auch nicht ausreicht um die Nachrichten zu füllen und sich die Bilder vom Erdbeben in Italien wiederholen…gut es reicht.
Vor gut 2 Wochen war ich das letzte Mal in Medellín. Dort habe ich einige Freunde getroffen und hab im Red vorbei geschaut. Auch wenn ich nicht viel Zeit hatte lohnt es sich immer! Mit einer Freundin vom Red und einem spanischen Freund waren wir in der Comuna 13. Dieses barrio ist besonders in den 90er Jahren sehr von der violencia betroffen gewesen und auch heute gibt es noch sehr viele Probleme, die natürlich die Armut bedingt sind. Auch wenn Medellín ne Metro, Kinos, Bibliotheken, Konzerte und moderne Architektur bietet, findet man z.B. dort Familien, die auf engstem Raum wohnen. Familien die ohne Strom und/oder Wasseranschluss wohnen etc. Genau dies bedeutet für mich kontrastreich. Das Red arbeitet mit einigen Leuten aus der comuna 13 zusammen und unterstützt die Initiativen die das Recht auf Wasser und Strom deklarien und organisiert Workhsops für Kinder dort. Auch hier habe ich einige Fotos gemacht…
Viel Spass also beim Fotos schauen (rechts ist ein neuer Link! oder hier:
und lest euch auch meinen Bericht auf rincon-de-paz.blogspot.com durch!
Grüsse Lukas
Zurückgemeldet aus dem schwülwarmen, jedoch äusserst Aprilmässigem Ibagué. Heute und gestern war es äusserst heiss, obwohl es sonst regnet und regnet…und das fast überall. Aber ich habe ja ein Dach über dem Kopf und will mich nicht beklagen. Die (Oster-)Woche habe ich frei und werde vorraussichtlich heute (Dienstag) nach Barrancabermeja, einer Stadt nördlich der Hauptstadt Bogotá fahren, um dort Freunde zu besuchen, die ich an der Küste kennengelernt habe. Ursprünglich hatte ich andere Pläne, aber zu viel planen, das sollte man besser nicht. Die letzte Woche war bis auf einen kurzen Ausflug nach Bogotá relativ langweilig, weil die Halbjahrsauswertung anstand. Das heisst jeden Tag Team-Treffen von morgens bis abends in denen Formate mit Zahlen und Ergebnissen der Workshops, Aktionen und Kampagnen gefüllt wurden. Ausserdem eine qualitative Auswertung im Bezug auf die Strategie von Concern. Das war schon etwas interessanter obwohl meiner Meinung nach viel Zeit gebraucht wird, um relativ wenig zu machen. Ganz besonders wichtig und nie zu kurz kommt das essen. Um 10 Uhr gibts nen Snack, um 12 Mittagessen, um 4 nochmal nen Snack und dann das Abendessen. Und ehrlich gesagt, man gewöhnt sich dran und stellt sich drauf ein.
Drauf einstellen ist ein gutes Stichwort, um ein wenig über Begegnungen und selbstverständlichgewordene Dinge zu erzählen… Ich fange an mit den “panfletos” (Flugblätter), die hier vor ca. 3 Wochen an fas talle Häuser verteilt worden. Ihr fragt euch von wem…Ich mich auch. Denn die Absender nennen keinen Namen, Lassen jedoch per Bild auf die AUC (Autodefensas Unidas Colombia) zurückschliessen. Paramilitärs, die offiziell nicht (mehr) exisitieren, bzw. demobilisiert wurden. Verteilt bzw. verbereitet werden und wurden diese Zettel jedoch wahrscheinlich von der Bev¨lkerung selbst, da die Verfasser die Bevölkerung dazu aufrufen, die Zettel zu kopieren und zu verbreiten. Diese Zettel beinhalten Drohungen gegen Prostituierte, Drogensüchtige und “sozial Schwache”, die “beseitigt” werden sollten. Es wird wörtlich von “sozialer Säuberung” gesprochen, bei der auf zivile Opfer keine Rücksicht genommen werden könne. Daher sollte man sich nach 10 Uhr abends nicht mehr auf der Strasse aufhalten. Auch wenn es “nur” Drohungen sind, hat ein solcher Zettel einen Effekt, generiert Unsicherheit und grade in den ärmeren Vierteln halten sich die Leute eher darán, da hier Gewalt und Kontrolle solcher Gruppen viel normaler sind. Ich habe bei uns konkret keinen Effekt gemerkt. Natürlich haben wir drüber gesprochen, auch z.B mit den jugendlichen aus der Jugendgruppe, aber es ist auch falsch eine Panik deswegen zu machen. Diese Zettel wurden überdies nicht nur in Ibagué, sondern auch in Medellín, Cali und einigen anderen Städten verteilt. Die Polizei hat mit Zetteln reagiert in denen zur Mitarbeit der Bevölkerung aufgerufen wird, indem man die Zettel nicht kopiert und Leute anzeigt, die diese verteilen…Soweit dazu.
Der Regen, wie oben kurz angesprochen iste in weiteres Nachrichtenthema No. 1. Schade, dass in den Nachrichten immer nur die Grosstädte gezeigt werden, als wären diez die einzigen betroffenen Teile des Landes, obwohl die Dörfer in der Regel viel ärmer dran sind. Durch die Regenfälle sind die Strassen (zb. Bogotá-Ibagué) oft von umgestürzten Bäumen, Strommasten oder Steinschlägen lahmgelegt. Für uns ist ne ausgebaute Autobahn, wo wir mit mind. 130kmh langheizen können normal. Und auch wenn die Überlandstrassen hier sehr gut ausgebaut sind, ist es doch eine andere Reise ;) Auch im Stadtverkehr sieht man immerwieder sehr lustige, oder auch beängstigende Szenen. Z.b. das Foto mit dem Motorrad und den Blumen. Neuerdings wird man so angehalten. Bei dem Motorradfahrer, der die Glasscheibe in beiden Händen hält fragt man sich schon nach etwas mehr Sichherheitsverständnis. Doch mir scheint auch, als wenn die Polizei mehr dagegen tut. So werden Alkohol und Geschwindigkeitskontrollen gemacht und (bei Fahrer und Beifahrer) wird schonmal der Gurt kontrolliert. Drei Leute auf dem Motorrad, oder Leute, die auf ner Ladefläche von nem LKW mitfahren…kein Problem.
Bei einem Besuch einer Familie unseres Projektes haben wir einen sehr schönen Einblick in eine Metall-recycling Anlage bekommen. Direkt neben deren (Lehm-)Hütte steht also dieser Ofen, der von 5 Männern bedient wurde…Die Fotos sprechen für sich. Das Eisen wird wie die Kohle Ofen reingeschaufelt und unten kommts flüssige Eisen raus…eigentlich ganz einfach ;) Die Männer die teilweise mit nackten Armen da rum hantieren haben uns erzählt, das bis jetzt noch nie was passiert ist (und das obwohl sogar die volle Bierkiste immer in Reichweite steht). Das geschmolzene Eisen wird in dem Eimer aufgefangen und in Formen gegossen, die aus Erde und Holzkisten vorher von Ihnen gemacht wurden.
Bei einer anderen Familie, mit der wir arbeiten haben wir den Vater vor dem Haus (bzw. den 2 Zimmern) angetroffen, wie er in kurzer Hose, Barfuss, in T-Shirt und vor allem ohne Schutzbrille ein Fenster geschweisst hat. Für alle die nichht wissen was das heisst: beim schweissen sollte (muss) man eine Schutzbrille tragen, da das blau Licht der Flamme auf die Dauer die Augen schädigt und Blind macht. Das traurige an der Sache ist, das er keine andere Möglichkeit hat. Er hat keine Schutzbrille, das Gerät von nem Nachbarn ausgeliehen und brauch das Geld, um seine Familie zu ernähren. Eigentlich ist er Gitarrenbauer und repariert Musikinstrumente. Aber ohne Job arbeitet er, was es zu arbeiten gibt. Das hat er uns mit tränenden Augen erzählt, nicht etwa weil er traurig war…sondern nur weil die Augen durch das Licht so schmerzten…
Auch hiervon bekommmt man erstmal nichts mit, wenn man Kolumbien in ein para Wochen kennenlernt. Die Nachrichten haben eine andere geschickte Strategie die schlechten Nachrichten und die Fakten zu verkaufen. So lief gestern in den Nachrichten ein Bericht über einen Mann, der singt und tanzt (auf der Strasse, zwischen den fahrenden Autos) und Zeitungen verkauft. Das ist natürlich lustig, einen singenden, hüpfenden Opa zu sehen, der Zeitungen verkauft. Vor zwei Wochen das gleiche: Ein Mannim Fernsehen, der in Schlips und Anzug Obst und Gemüse an vorbeifahrende Autos verkauft. Sehr originell. Das aber tausende von Leuten sich von solchen Jobs ernähren müssen ist doch eigentlich traurig und nicht lustig!? Aber das Fernsehen muss ja auch mit irgendwas gefüllt werden. Und wenn die FARC grade keinen guten Bericht abliefern, der Regen im Land auch nicht ausreicht um die Nachrichten zu füllen und sich die Bilder vom Erdbeben in Italien wiederholen…gut es reicht.
Vor gut 2 Wochen war ich das letzte Mal in Medellín. Dort habe ich einige Freunde getroffen und hab im Red vorbei geschaut. Auch wenn ich nicht viel Zeit hatte lohnt es sich immer! Mit einer Freundin vom Red und einem spanischen Freund waren wir in der Comuna 13. Dieses barrio ist besonders in den 90er Jahren sehr von der violencia betroffen gewesen und auch heute gibt es noch sehr viele Probleme, die natürlich die Armut bedingt sind. Auch wenn Medellín ne Metro, Kinos, Bibliotheken, Konzerte und moderne Architektur bietet, findet man z.B. dort Familien, die auf engstem Raum wohnen. Familien die ohne Strom und/oder Wasseranschluss wohnen etc. Genau dies bedeutet für mich kontrastreich. Das Red arbeitet mit einigen Leuten aus der comuna 13 zusammen und unterstützt die Initiativen die das Recht auf Wasser und Strom deklarien und organisiert Workhsops für Kinder dort. Auch hier habe ich einige Fotos gemacht…
Viel Spass also beim Fotos schauen (rechts ist ein neuer Link! oder hier:
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