Mittwoch, 29. April 2009

April

Hola,
Da bin ich wieder aus dem sehr sommerlichen Ibagué. Der April ist fast vorbei und ich will garnicht rumnörgeln, dass alles so schnell geht…so ist es nunmahl.

Was hab ich im April denn gemacht fragt ihr euch…und ich mich auch. Vielleicht fange ich mit der Woche vor Ostern an. Diese Woche hat hier in Kolumbien 2 Feiertage: Gründonnerstag und Karfreitag (auch wenn sie hier einfach Jueves y viernes santo heissen (heiliger Donnerstag und Freitag). Wir hatten das Glück die ganze Woche frei zu haben, sodass ich die Tage genuzt habe, weitere Teile Kolumbiens kennenzulernen. Hierbei musste ich feststellen, dass der Freitag und der Donnerstag hier wirklich “heilig” sind. Ich bin also am Dienstagnachmittag von Ibagué im Bus nach Dagotá aufgebrochen…ein Kaff 7 Busstunden nördlich von hier. Dort bin ich aussgestiegen und weiter nach Barrancabermeja gefahren (worden). Warum Barrancabermeja? Ich habe im Urlaub im Januar eine Kolumbianerin und einen Deutschen kennengelernt, die aus Barranca und Bucaramanga (2 Stunden von Barranca) kommen, bzw. dort wohnen und arbeiten. Auch sie haben zufälligerweise Verbindungen zum Red in Medellín. Also habe ich mir überlegt in eine Stadt zu fahren, wo ich bereits jemanden kenne, denn alleine ne Stadt erkunden macht nicht so viel Spass (und ist hier vielleicht als Ausländer auch nicht so ratsam). Barranca ist in erster Linie HEISS. Danach ist erwähnenswert, dass es eine Ölstadt ist, dass heisst in der Region wurde lange Zeit viel Öl gefördert, wobei sich heute die Industrie eher auf die Raffinisierung beschränkt. Die Stadt selber ist nicht besonders späktakulär, hat jedoch eine sehr interesante Geschichte, eben aufgrund des Öls. Ecopetrol, die ehemalig staatliche ölfirma hat hier ihren Hauptsitz und im Zusammenhang mit den zahlreichen Ecopetrolarbeitern entstanden auch hier Gewerkschaften. Dies ist in Kolumbien nicht so selbstverst¨nadlich wie in Deutschland und so ist es interessant, dass auch die Paramilitärs, die keineswegs ein selbstläufer irgendwelcher bewaffneter Gruppen sind, in diesem Gebiet (Magdalena-Medio: der Rio Magdalena ist der längste und grösste Fluss Kolumbiens) in den 80 er Jahren entsanden sind, oder besser gebildet wurden. Barrancabermeja war also lange Zeit eine Stadt, die von bewaffneten Auseinandersetzungen, Bombenanschlägen, Massakern etc. geprägt war.

Heute ist die Situation zwar ruhiger, das heisst jedoch nicht, dass die Paramilitärs verschwunden und die Gewerkschaften befriedigt sind, sondern eher, dass die Kontrolle über die Zone militärisch gesichert wird und es weniger soziale Bewegungen gibt als früher. Ich will euch nicht mit politischer Situation und Geschichte aufhalten, nur ein wenig euer Interesse wecken.

Jedenfalls habe ich ordentlich geschwitzt... 35-40 Grad und eine schwüle Luft, da kann man sich kaum dran gewöhnen! Und es war wohl das erste Mal, dass ich in der Nacht den Lärm des Ventilators, der Hitze vorgezogen habe. In den drei Tagen, die ich dort war habe ich also die Stadt kennengelernt, das erste Mal im Leben einen üppigen Avocadobaum gesehen und selbst geernet (mind.35 Avocados) und den Río Magdalena aus nächster Nähe sehen können (Baden sollte man lieber vermeiden – ich glaube zwar, dass die Krokodile aus Gabriel García Márquez´ Erzählungen die geringere Gefahr darstellen, wegen der Verschmutzung und der Strömung ist es aber dennoch nicht ratsam). Da der Donnerstag und Freitag ja Feiertage waren, war ziemlich wenig los. Selbst die Busse fuhren nicht (das hab ich hier noch nie erlebt). Gut, dass in Barranca eine eigene Transportkultur besteht: Die Taxis, die hier ohne Taxometer meist für 4000-6000 Pesos (1,50-2 Euro) fast überall hinfahren, werden von den illegalen Taxis unterboten. Diese Motorradtaxis sind darán zu erkennen, dass sie ständig hupen und der Fahrer nen Helm und die zweite Warnweste am Handgelenk baumeln hat. Mit dem Motorrad wird man also für 50 Cent an jeden beliebigen Ort der Stadt gefahren… wir haben trotzdem das normale Taxi bevorzugt ;) Wegen dem heissen Klima ist die Stadt ein Paradies für Leguane. Als ich an der Küste einmal einen gesehen habe (siehe Fotos Urlaub) war ich ganz begeistert…und schon war er weg. In Barranca gibts stellen, da laufen die im Park rum, wie bei uns die Enten.
Am Samstagmorgen (vor Ostersonntag) bin ich dann sehr früh den Rückweg angetreten. Da die Semana Santa eine sehr beliebte Reisewoche ist, sind die Busse überfüllt und teurer als sonst. Da ich einmal umsteigen musste bin ich dann am stressfreieren Tag, dem Samstag gefahren. Der Ostersonntag ist im Gegensatz zu Deutschland völlig uninteressant, während der Donnerstag und Freitag mit Prozessionen und Kirchbesuchen sehr viel wichtiger ist.
Am Montag habe ich dann wieder gearbeitet. Zurzeit arbeite ich viel mit den Kindern hier aus Tierra firme (das ist das Viertel). Das heisst ich mache Bastelstunden, Sport oder Spiele auf dem Fussballplatz oder ähnliches. Das Wochenende war ein bisschen entäusschend. Ich hätte gerne was unternommen, hatte jedoch niemanden oder niemanden mit Lust (bzw. Geld) wegzugehen oder mir irgendwas neues hier zu zeigen…halb so wild, denn Mittwoch bin ich schon wieder von Ibagué nach Medellín aufgebrochen, um mir dort das Theaterstück der Theatergruppe des Red Juvenil anzuschauen.
Die Gruppe, die eigentlich aus ca.11 Leuten besteht reist mit 6 Personen nach Deutschland, um dort an einem internationalen Theaterfestival von Brot für die Welt teilzunehmen. Mit Ihrem Stück “entre cuerpos y tambores” (“zwischen Körpern und Trommeln”) werden sie ein kritisches aber sehr autentisches Bild von Kolumbien präsentieren. Nach der Vorstellung in Stuttgart machen sie eine kleine Deutschland, Belgien, Spanien Tour. Auch in Aachen werden sie stationieren, und in kürze werdet ihr alle mit Einladungen versorgt! Die Idee meines Besuchs, war jedoch nicht nur das Stück zu sehen, sondern auch gemeinsam mit der Gruppe ihren Aufenthalt ein wenig vorzubereiten. Den Donnerstag und Freitag haben wir also ausserhalb von Medellín in einer Finca Themen wie: Kontext der beiden Länder, Fragen die in Deutschland zuerst gestellt bzw. beantwortet werden, ein paar typisch Deutsche Dinge etc. besprochen. Der Samstag war leider schon wieder der letzte Tag in Medellín. Ich bin sehr früh auf, um an einer Umfrage mitzuwirken, die verschiedene Organisationen der Stadt, die sich in einem Netzwerk zusammentun, initiert haben. Auch das Red hat viel mitorganisiert. In dem Barrio “La Cruz”, ein sehr armes barrio Medellíns, gelegen am Hang ca. 30 min. im Bus vom Zentrum, werden alle Häuser aufgenommen und die Familien befragt. Der Fragebogen umfasst 7 Seiten und beinhaltet verschiedenste Bereiche. Von einer Bestandsaufnahme der Häuser, samt Zustand, Materialen, Alter, haben wir die Leute über ihre Einkommen, Ausgaben, Herkünfte, Wünsche, sprich über fast alles befragt. Ich habe an diesem Tag 7 Familien “geschafft”, und war danach selber ordentlich “geschafft”. Erstens ist falle ich total auf…nicht nur durchs aussehen, auch durch meinen Akzent. Es ist garnicht so leicht so einen komplizierten Fragebogen auszufüllen, und besonders Daten, wie Namen und Nachnamen. Was aber viel bedrückender war, die Inhalte der Fragebogen zu verarbeiten. Ich habe nicht nur einen genauen Einblick in die Wohnsituation der Familien bekommen, so haben von den sieben Familien 3 Familien mindestens einen angehörigen durch die “Violencia” (Gewalt bzw. hier: gewaltvollen Auseinandersetzungen bewaffneter Gruppen in den barrios) verloren. Desweiteren haben alle Familien ausgesagt, dass sie regelmässig aufs Essen verzichten, um die Strom und Wasserrechnung zu bezahlen, un dalle haben schonmal den Strom, das Wasser für mehrere Monate abgestellt bekommen. Eine dreiköpfige Familie aus dem barrio hat ungefähr 60.000 Pesos (20 Euro)im Monat für Essen zu Verfügung, und verdient die Hälfte des Mindesteinkommen. Die 2-3 Zimmer werden meist mit 6 Leuten geteilt und ich habe in einem der sieben Häuser den Ehemann angetroffen. 3 Mütter waren alleinerziehend…alles in allem sehr traurige Ergebnisse. Eine Frage, bzw. die Antworten haben mich besonders beeindruckt. Auf die Frage “Was ist Ihr Traum”, hier einige der Antworten:

• “Einen Beruf und ein eigenes Einkommen”
• “andere Sprachen lernen”
• “Gesundheit und einen Job”
• “Ich würde gerne Medizin studieren”
• “Mein Haus fertig stellen” (bezog sich in dem Fall auf ein Zimmer des sonst gemauerten Hauses, das aus Holzplanken und Papen bestand)

Zuerst hab ich gefürchtet ich würde mehr Platz brauchen, aber die meisten der Leute (Mütter) haben sehr schlichte für uns normale Wünsche. Keiner hat geantwortet: “Reichtum, Ferrari, ne Villa und Urlaub”, obwohl sie dieses Leben in zahlreichen Soaps und Fernsehsendungen regelmässig im Fernsehen sehen. Ich habe nur wenige Fotos gemacht, da ich es nicht als Ausflug oder Besichtigung angesehen habe, es eine Umfrage war. Und onehin dringt man sehr in die Privatsphäre dieser Leute ein, zumal als Ausländer. Die Frage des Sinns dieser Aktion habe ich gerne beantwortet. Die Organisationen wollen die Situation in diesem (und zahlreichen anderen) barrio visiblisieren und eine Karte an die Stadt verfassen. Medellín wie gesagt sieht auf den ersten Blick ganz anders aus: fortschrittlich, wettbewerbstüchtig, und touristisch. Aber die dunklen Seiten (barrios) werden beswusst ausgeblendet und alles tolle promoted.

Mit diesen Eindrücken bin ich im Abend zurück nach Ibagué gefahren. Nach 8 Stunden im Bus bin ich etwas müde, aber gut angekommen. Da der geplante Workshop nicht stattfand, konnte ich dann entspannt ausschlafen und den Sonntag zum Heimputz und Internetten nutzen. Gestern (Montag) hatten wir eine sehr interesante Fortbildung über den “Estado social de derecho”. Jaime, der Koordinator der fundación hatte diesen Workshop vorbereitet. Insgesamt ca. 50 Leute haben teilgenommen…alles in allem ein sehr interesantes Thema und eine gute Methodik in der Arbeitsweise, da nicht (wie sonst häufig) ein Vortrag gehalen wurde, sondern eine offene Diskussion und Kleingruppenarbeit angesagt waren.

Das kommende Wochenende ist erster Mai. Wahrscheinlich mache ich einen Ausflug mit der Jugendgruppe…die Maibaumtradition ist hier eher unbekannt ;)
Am 11. Mai werden dann Andrea und Stephan zu Besuch kommen. Falls Ihr also irgendwetwas mitteilen wollt, was über email eher doof ist, dann am Besten auf diesem Wege. Der letzte Postbrief war zwar sehr schnell, aber es dauert normalerweise mind 5-6 Wochen.
Ich schicke viele Grüsse nach Aachen…stellt viele Maibäume! Fotos folgen hier :

Lukas

Dienstag, 7. April 2009

genug gewartet.

Hallo Ihr Lieben,

Zurückgemeldet aus dem schwülwarmen, jedoch äusserst Aprilmässigem Ibagué. Heute und gestern war es äusserst heiss, obwohl es sonst regnet und regnet…und das fast überall. Aber ich habe ja ein Dach über dem Kopf und will mich nicht beklagen. Die (Oster-)Woche habe ich frei und werde vorraussichtlich heute (Dienstag) nach Barrancabermeja, einer Stadt nördlich der Hauptstadt Bogotá fahren, um dort Freunde zu besuchen, die ich an der Küste kennengelernt habe. Ursprünglich hatte ich andere Pläne, aber zu viel planen, das sollte man besser nicht. Die letzte Woche war bis auf einen kurzen Ausflug nach Bogotá relativ langweilig, weil die Halbjahrsauswertung anstand. Das heisst jeden Tag Team-Treffen von morgens bis abends in denen Formate mit Zahlen und Ergebnissen der Workshops, Aktionen und Kampagnen gefüllt wurden. Ausserdem eine qualitative Auswertung im Bezug auf die Strategie von Concern. Das war schon etwas interessanter obwohl meiner Meinung nach viel Zeit gebraucht wird, um relativ wenig zu machen. Ganz besonders wichtig und nie zu kurz kommt das essen. Um 10 Uhr gibts nen Snack, um 12 Mittagessen, um 4 nochmal nen Snack und dann das Abendessen. Und ehrlich gesagt, man gewöhnt sich dran und stellt sich drauf ein.

Drauf einstellen ist ein gutes Stichwort, um ein wenig über Begegnungen und selbstverständlichgewordene Dinge zu erzählen… Ich fange an mit den “panfletos” (Flugblätter), die hier vor ca. 3 Wochen an fas talle Häuser verteilt worden. Ihr fragt euch von wem…Ich mich auch. Denn die Absender nennen keinen Namen, Lassen jedoch per Bild auf die AUC (Autodefensas Unidas Colombia) zurückschliessen. Paramilitärs, die offiziell nicht (mehr) exisitieren, bzw. demobilisiert wurden. Verteilt bzw. verbereitet werden und wurden diese Zettel jedoch wahrscheinlich von der Bev¨lkerung selbst, da die Verfasser die Bevölkerung dazu aufrufen, die Zettel zu kopieren und zu verbreiten. Diese Zettel beinhalten Drohungen gegen Prostituierte, Drogensüchtige und “sozial Schwache”, die “beseitigt” werden sollten. Es wird wörtlich von “sozialer Säuberung” gesprochen, bei der auf zivile Opfer keine Rücksicht genommen werden könne. Daher sollte man sich nach 10 Uhr abends nicht mehr auf der Strasse aufhalten. Auch wenn es “nur” Drohungen sind, hat ein solcher Zettel einen Effekt, generiert Unsicherheit und grade in den ärmeren Vierteln halten sich die Leute eher darán, da hier Gewalt und Kontrolle solcher Gruppen viel normaler sind. Ich habe bei uns konkret keinen Effekt gemerkt. Natürlich haben wir drüber gesprochen, auch z.B mit den jugendlichen aus der Jugendgruppe, aber es ist auch falsch eine Panik deswegen zu machen. Diese Zettel wurden überdies nicht nur in Ibagué, sondern auch in Medellín, Cali und einigen anderen Städten verteilt. Die Polizei hat mit Zetteln reagiert in denen zur Mitarbeit der Bevölkerung aufgerufen wird, indem man die Zettel nicht kopiert und Leute anzeigt, die diese verteilen…Soweit dazu.

Der Regen, wie oben kurz angesprochen iste in weiteres Nachrichtenthema No. 1. Schade, dass in den Nachrichten immer nur die Grosstädte gezeigt werden, als wären diez die einzigen betroffenen Teile des Landes, obwohl die Dörfer in der Regel viel ärmer dran sind. Durch die Regenfälle sind die Strassen (zb. Bogotá-Ibagué) oft von umgestürzten Bäumen, Strommasten oder Steinschlägen lahmgelegt. Für uns ist ne ausgebaute Autobahn, wo wir mit mind. 130kmh langheizen können normal. Und auch wenn die Überlandstrassen hier sehr gut ausgebaut sind, ist es doch eine andere Reise ;) Auch im Stadtverkehr sieht man immerwieder sehr lustige, oder auch beängstigende Szenen. Z.b. das Foto mit dem Motorrad und den Blumen. Neuerdings wird man so angehalten. Bei dem Motorradfahrer, der die Glasscheibe in beiden Händen hält fragt man sich schon nach etwas mehr Sichherheitsverständnis. Doch mir scheint auch, als wenn die Polizei mehr dagegen tut. So werden Alkohol und Geschwindigkeitskontrollen gemacht und (bei Fahrer und Beifahrer) wird schonmal der Gurt kontrolliert. Drei Leute auf dem Motorrad, oder Leute, die auf ner Ladefläche von nem LKW mitfahren…kein Problem.
Bei einem Besuch einer Familie unseres Projektes haben wir einen sehr schönen Einblick in eine Metall-recycling Anlage bekommen. Direkt neben deren (Lehm-)Hütte steht also dieser Ofen, der von 5 Männern bedient wurde…Die Fotos sprechen für sich. Das Eisen wird wie die Kohle Ofen reingeschaufelt und unten kommts flüssige Eisen raus…eigentlich ganz einfach ;) Die Männer die teilweise mit nackten Armen da rum hantieren haben uns erzählt, das bis jetzt noch nie was passiert ist (und das obwohl sogar die volle Bierkiste immer in Reichweite steht). Das geschmolzene Eisen wird in dem Eimer aufgefangen und in Formen gegossen, die aus Erde und Holzkisten vorher von Ihnen gemacht wurden.

Bei einer anderen Familie, mit der wir arbeiten haben wir den Vater vor dem Haus (bzw. den 2 Zimmern) angetroffen, wie er in kurzer Hose, Barfuss, in T-Shirt und vor allem ohne Schutzbrille ein Fenster geschweisst hat. Für alle die nichht wissen was das heisst: beim schweissen sollte (muss) man eine Schutzbrille tragen, da das blau Licht der Flamme auf die Dauer die Augen schädigt und Blind macht. Das traurige an der Sache ist, das er keine andere Möglichkeit hat. Er hat keine Schutzbrille, das Gerät von nem Nachbarn ausgeliehen und brauch das Geld, um seine Familie zu ernähren. Eigentlich ist er Gitarrenbauer und repariert Musikinstrumente. Aber ohne Job arbeitet er, was es zu arbeiten gibt. Das hat er uns mit tränenden Augen erzählt, nicht etwa weil er traurig war…sondern nur weil die Augen durch das Licht so schmerzten…
Auch hiervon bekommmt man erstmal nichts mit, wenn man Kolumbien in ein para Wochen kennenlernt. Die Nachrichten haben eine andere geschickte Strategie die schlechten Nachrichten und die Fakten zu verkaufen. So lief gestern in den Nachrichten ein Bericht über einen Mann, der singt und tanzt (auf der Strasse, zwischen den fahrenden Autos) und Zeitungen verkauft. Das ist natürlich lustig, einen singenden, hüpfenden Opa zu sehen, der Zeitungen verkauft. Vor zwei Wochen das gleiche: Ein Mannim Fernsehen, der in Schlips und Anzug Obst und Gemüse an vorbeifahrende Autos verkauft. Sehr originell. Das aber tausende von Leuten sich von solchen Jobs ernähren müssen ist doch eigentlich traurig und nicht lustig!? Aber das Fernsehen muss ja auch mit irgendwas gefüllt werden. Und wenn die FARC grade keinen guten Bericht abliefern, der Regen im Land auch nicht ausreicht um die Nachrichten zu füllen und sich die Bilder vom Erdbeben in Italien wiederholen…gut es reicht.

Vor gut 2 Wochen war ich das letzte Mal in Medellín. Dort habe ich einige Freunde getroffen und hab im Red vorbei geschaut. Auch wenn ich nicht viel Zeit hatte lohnt es sich immer! Mit einer Freundin vom Red und einem spanischen Freund waren wir in der Comuna 13. Dieses barrio ist besonders in den 90er Jahren sehr von der violencia betroffen gewesen und auch heute gibt es noch sehr viele Probleme, die natürlich die Armut bedingt sind. Auch wenn Medellín ne Metro, Kinos, Bibliotheken, Konzerte und moderne Architektur bietet, findet man z.B. dort Familien, die auf engstem Raum wohnen. Familien die ohne Strom und/oder Wasseranschluss wohnen etc. Genau dies bedeutet für mich kontrastreich. Das Red arbeitet mit einigen Leuten aus der comuna 13 zusammen und unterstützt die Initiativen die das Recht auf Wasser und Strom deklarien und organisiert Workhsops für Kinder dort. Auch hier habe ich einige Fotos gemacht…

Viel Spass also beim Fotos schauen (rechts ist ein neuer Link! oder hier:
Fotos März
und lest euch auch meinen Bericht auf rincon-de-paz.blogspot.com durch!
Grüsse Lukas

Freitag, 6. März 2009

Die zweite Halbzeit ist angepfiffen

Hallo…ich schaffe es einfach nicht, öfter als einmal im Monat zu schreiben…ich nehme es mir immer wieder vor, aber wenn ich dann schreibe stelle ich fest, es ist schon wieder nen Monat rum. Wenn ihr noch mehr Infos wollt, könnt ihr übrigens auch auf einen weiteren Blog von mir schauen, den ich für Concern und die Gesamtschule Brand mache. Sie haben eine AG die eine Partnerschaft zu Concern hat. Die Adresse: rincon-de-paz.blogspot.com.

Was ist also passiert im Monat Februar. Aufgehört habe ich ja mehr oder weniger mit der Reise, dem Zwischenseminar und dem letzten Besuch in Medellín. Die Arbeit, geht aber natürlich weiter, wenn auch immernoch schleppend aufgrund einiger Unklarheiten unserer Geldgeber: die Telefongesellschaft TELEFONICA. In den ersten Wochen im Proniño-Projekt ging es viel um Organisation und die Aktualisierung der sog. “línea base”, ein Dokument, in dem über alle Kinder die im Projekt drinsteht, wo sie wohnen bis hin zu der Wochenarbeitszeit und den Motiven der Arbeit (fast immer finanzielle Familiensituation). Das heisst ich bin mit meinem Kollegen Rubén, teils mit, teils ohne Laptop (gibt Ecken, da ists zu gefährlich), von Haus zu Haus gezogen, u malle Daten der Kinder durchzugehen. Bei über 90 Kindern dauert das ziemlich lange, ist aber auch sehr interessant, weil man so Einblick, in Wohnbereich und Familiensituation bekommt. Die meisten Leute sind inzwischen sehr offen, das anfängliche Misstrauen ist gewichen.

Diese Woche war hauptsächlich von dem Besuch der 2 Verantwortlichen für das Proniño-Projekt aus Bogotá geprägt. Mit diesen beiden “Tussis” sind wir von einem Termin zum nächsten gehetzt, um bei der Stadt mehr Gelder für die Bekämpfung der Kinderarbeit loszumachen. Meiner Meinung nach ist das alles ne riesen Show, und bei der Stiftung von Telefónica geht es nicht etwa darum wirklich die Kinderarbeit zu bekämpfen, sondern lediglich das Image der Firma zu verbessern, sprich sich ein besseres Bild zu kaufen. Sie machen nichts anderes als uns Geld zu geben. Wir machen die Arbeit, und Fotos immer schön mit telefónica Logo, so dass sich das Prima vermarkten lässt. Das wird unterstützt durch eben diese Vertreterinnen. 2 Damen, ziemlich aufgebrezelt, steigen im teuersten Hotel der ganzen Stadt ab (Mercure) und haben wahrscheinlich noch nichtmal nen Fuss in die Ecken gesetz, wo die Kinder wohnen… Dann treffen wir uns mit Bürgermeister, Amt für Sozialen Schutz etc. und sie fordern die Zusammenarbeit mit der Stadt, die bis dahin noch nix in dem Bereich auf die Beine gestellt hat. Die Stadt willigt ein und schon sind die grossen Wohltäter ausgemacht…der Staat und Telefónica…wir werden in der Regel nichtmal erwähnt. Ende der Geschichte ist, dass Telefónica die Gelder gekürzt hat, Daniel (mein Mitbewohner und Kollege) somit nicht weiterarbeiten wird, wir effektiv mehr Arbeit habe, weil sogar noch 300 Kinder mehr integriert werden sollen (mit den versprochenen geldern der Stadt haben wir aber nicht mehr Geld als vorher). Ich sitze also an dem Tisch und die Telefónica Tanten reden von wegen Bildung stärken, Familienerziehung fernsehen, PC und HANDY. Man müsse ja den Eltern klar machen, dass die Kinder kein Geld für Handys ausgeben sollen, sowieso haben die alle Handys usw. Dann frage ich mich was Telefonica will…auf der einen Seite riesen Werbekampagnen, um den Handyabsatz anzukurbeln, ganz klar auch die Zielgruppe der Kinder. Ein neues Handy, mit Kamera mp3 und allem und dann auf der anderen Seite von wegen sozialer Verantwortung der Firmen sprechen…das ich nicht lache. Kinderarbeit bekämpfen, aber es ist die Armut, an der die Grosskonzerne sicherlich mitschuld sind, oder? Warum arbeiten denn die Kinder….wohl nicht, weil die alle nach der Schule nix zu tun haben. Naja was hilft das Aufregen da…den Kindern tun unsere Aktionen meistens gut und deswegen hat alles eine kleine positive Seite.

Letzte Woche habe ich übrigens schonmal den Bürgermeister getroffen, als er hier im Barrio den neuen geteerten Sportplatz eingeweiht hat. (Fotos: www.chuchobotero.com. – glaube auf der zweiten oder dritten Seite).

Neben dem Projekt Proniño betreue ich die Jugendgruppe, die sich immer Donnerstags hier im barrio trifft und ab und zu mache ich auch was mit den Kids aus dem barrio (basteln, Sport und Spiel). Ab Ende März werde ich mit den Jugendlichen ein Kino (2 Mal die Woche) mit europäisch- und Lateinamerikanischen Filmen starten. Ausserdem habe ich seit Dienstag eine kleine Deutschlehrngruppe, immer Dienstags und Freitagsabends 2 Stunden…mal sehen, ob die das durchstehen ;)
Ich wohne immernoch in dem “Mängelhaus”…gewöhne mich aber dran. Mein Zimmer ist auch sehr gemütlich, von daher habe ich eine gute Rückzugsmöglichkeit. Mit meinen Mitbewohnern komme ich super klar und ich hoffe, dass wir zum April zusammen was andres finden.

Ein par Dinge, die mir eingefallen sind, als ich drüber nachgedacht habe, inwiefern meine Erwartungen und Vorstellungen von diesem Land erfüllt wurden und werden. Denn manchmal bin ich so erstaunt über gewisse Fragen oder Kommentare aus Deutschland…dann fällt mire in, dass ich vorher genau das gleiche gedacht habe und genauso überrascht gewesen wäre. Um was konkreter zu werden: Hier (in Kolumbien) gibt es Freibäder, Kunstrasenplätze, Museen, Bibliotheken, Paintballgelände, Go-kart Bahn, Flughäfen, 5 Sterne Hotels, Leute die viel verdienen, W-Lan, sprich alles was es bei uns auch gibt. Fast jede noch so arme Familie hat nen fernseher oder nen Handy und die meisten haben Strom und Wasser. Gut denkt man, denen gehts doch garnicht so schlecht. Wenn man dann aber sieht was es auch gibt: 14 Leute, die in 3 Zimmern wohnen (mit Fernseher), Kinder die X-Box (ein Videospiel für den Fernseher) spielen, und sich gleichzeitig zu4 ein Bett teilen und ne Plane als Dach haben. Familien denen der Strom und das Wasser abgedreht wird, weil sie kein Geld haben usw., dann merkt man, dass die materiellen Dinge nicht direkt alles über Armut aussagen. Man kann ein Handy haben und trotzdem hat man kein recht auf ne Gesundheitliche Mindestversorgung etc.
Auch in den Haushalten, denen es gut geht gibts nur die Sachen, die man wirklich braucht: Ich habe in dem halben Jahr genau einen Haushalt kennengelernt, in dem es einen Dosenöffner gab…das geht sehr gut mit dem Messer, wieso also das Geld verschwenden. Wasserkocher, Toaster etc. brauch man auch nicht. Das soll jetzt nicht heissen, schmeisst alle eure Wasserkocher weg, sondern vielmehr zeigen, dass wir das alles nur haben weil wir Geld haben, es aber eigentlich nicht brauchen  (Okay ich könnte nen Wasserkocher gut gebrauchen, weil wir immernoch kein Gas im Haus haben ) ;)

Ab und zu mache ich auchmal was, das mit alledem nichts zu tun hat. Dieses etwas heisst Salsa und hat seit ner guten Woche begonnen und ist…nicht leicht, aber macht Spass. Zumal die ja alle hier den Rythmus im Blut haben…wir werden sehen, ob es bei mir fruchtet und ob ich das weiterhin mache, aber ich wollte es wenigstens versucht haben.
Letztes Wochenende war ich zudem auf einem 15. Geburtstag eines Mädels hier aus dem Viertel. Der 15. Geburtstag ist für die Mädchen was sehr besonderes und wird riesig gefeiert. Ein gemieteter Raum, festlich geschmückt. Sie war bis zum Beginn der Feier nicht zu sehen. Dann haben 14 Männer (bzw. Jungs) ne Gasse gebildet, alle ne rote Rose in der Hand und sie schreitet die begleitet von ihrem Vater hindurch. Es beginnt mit einem kurzen WALZER (der kein Walzer war) mit jedem der Rosenträger. Danach ein weiterer Tanz mit dem Vater und anschliessend eine kurze Rede des Vaters. Dann zieht der Vater ihre Schuhe aus und zieht ihr elegante Hochhackige Schuhe an…das Zeichen, dass sie jetzt Erwachsen ist. Danach eröffnet sie das Tanzen mit einem Typ ihrer Wahl. Jetzt dürft ihr mal raten wer das war…natürlich der Ausländer… ;) Ich mit meinen holprigen Salsaschritten, hatte mich vorher schon als Rosen-Walzertänzer versuchen dürfen und war glaube ich der Schwarm der …Fünfzehnjährigen. Später war es auf jeden Fall eine sehr lustige Party, weil hier alle, egal ob 8 Jahre, 15, 20, 30 -70 tanzen.

Hierzu ein para Fotos (siehe der Link rechts)Ausserdem findet ihr Fotos von einigen “wichtigen Besprechungen” und im Kontrast Bilder von Familie, mit denen wir arbeiten. Ich hoffe ihr habt alles gelesen. Nehmt euch bitte Zeit…ich weiss es ist viel, aber kurzfassen ist schwer!
1000 Grüsse Lukas

Donnerstag, 12. Februar 2009

Buenos días,
Ich hoffe euch geht es gut, und die Kälte macht euch nicht zu sehr zu schaffen. Hier ist es nachwievor sommerlich, auch wenn es zwischendurch immerwieder sehr heftige Regenfälle gibt. Mir ist garnicht bewusst gewesen, dass ich shon wieder nen ganzen Monat nix hab von mir hören lassen. Der Urlaub liegt gefühlt noch so nahe, dabei ist es son wieder Mitte Februar...etwas unheimlich, dass es so schnell geht...

Seit Samstag bin ich wieder in Ibagué und seit Montag arbeite ich. Es läuft alles sehr langsam an. Das hat damit zu tun, dass alle bis zum 19.01 Urlaub hatten und das fast einen Monat nicht gearbeitet wurde. Mein Kollege Daniel arbeitet noch nicht, weils noch nicht genügend zu tun gibt. Das heisst wir warten noch auf die Geldplanung seitens der fundación die unser Projekt finanziert, damit wir dann anschliessend Aktionen und Workshops planen können. Aufgrund der auch hier spürbaren Finanzkrise wird also solange es geht gespart.

Die Wochen nach dem Urlaub, von dem Ich ja schon eingehend berichtet habe war ich in Bolivien, Libano und Medellín. In Bolivien habe ich einen Freund (Johannes) in Cochabamba (ca.1,5 mio Einwohner) besucht. Er arbeitet in einem Heim für Strassenkinder. Ich war einen Tag mit ihm unterwegs und hab gemerkt, wie hart sein Job bzw. das Leben im Heim ist. Gewalt ist nicht nur unter den Kindern normal, sondern auch seitens der Erzieher an der Tagesordnung. Die Grösseren missbrauchen die Kleineren und sobald sie können haben alle ne Kleberflasche unter der Nase. Auf der anderen Seite gibt es auch wirklich Kinder, die über die Förderung des Heims (Tischlerlehre, Mechaniker etc. und Schulbildung) den Ausstieg schaffen. Nach drei Tagen in Cochabamba bin ich mit Johannes zusammen zum Zwischenseminar nach Santa Cruz geflogen. Hier haben wir uns mit weiteren 34 Freiwilligen getroffen und eine sehr tolle, interessante und abwechslungsreiche Woche verbracht. Ein bisschen habe ich mich wie „Zuhause“ das heisst Deutschland gefühlt. Nur Deutsch reden, es gab sogar mal Vollkornbrot etc. Dazu kam, dass aufgrund der Verfassungsabstimmung in Bolivien an unserem WE äusserst Strenge regeln galten. Es gab kein Alkohol, Sonntag durften die Autos nicht fahren und Kneipen und Discos waren geschlossen...wir haben unsere eigene Party geschmissen ;)

Direkt von dortaus ging es am 27.01 per Flieger über Lima (Peru) nach Bogotá (mit 2 deutschen Frewilligen, die auch aus Aachen kommen und in Kolumbien einen Frewilligendienst machen). Dort sind wir von unseren Deutschen Partnern, dass heisst in meinem Fall, der für den Austausch verantwortlichen der KJG Aachen abgeholt worden. Nach einer dreitägigen Auswertungen mit unseren deutschen und Kolumbianischen Organisationen in Libano (das Dorf in dem die anderen 2 arbeiten), habe ich mich nochmal nach Medellín aufgemacht. Mirijam (KJG Aachen) war das erste Mal hier und so habe ich mit Ihr das Red besucht und Medellín gezeigt. Gleichzeitig hatte ich nochmal die Möglichkeit jede Menge Leute zu treffen.

Zurück nach Ibagué. Ich habe die erste Woche in der Männer WG fast hinter mir und bin (abgesehen vom Haus) sehr zuversichtlich, dass ich so die nächsten 6 Monate leben kann. Wir werden jedoch nochmal umziehen (das heisst für mich das vierte Mal...), da die Dusche ein Loch im Boden hat und das Wasser in die Decke des EG läuft. Ausserdem hat das Haus kein Gas, was bedeutet, dass wir uns nix kochen können...noch nicht so optimal aber das kriegen wir schon hin.
Viele Grüsse aus Ibagué...ich freue mich über Rückmeldungen :)
Lukas

Mittwoch, 14. Januar 2009

Feliz año!
Hola. Ich melde mich zurück mit Neuigkeiten aus Kolumbien. Diesmal hauptsächlich Reiseeindrücke und Infos, die nicht so viel mit meiner Arbeit zu tun haben, aber sicherlich auch spannend sind.
Am 19.12 bin ich ziemlich überhastet nach Medellín aufgebrochen, nachdem ich diesen Tag (ein Freitag) noch bis 6 gearbeitet habe. Hier in Kolumbien werden die 10 Tage vor dem 24.12 sehr ausgiebig in den sogenannten novenas gefeiert. Das heisst jeden Abend trifft man sich mit Freunden, meist in einer Kirche, einem Gemeindehaus oder einem Raum, der grossgenug ist, um die Empfägnis von Jesus Christi zu feiern. Die Leute singen Weihnachtslieder, es werden Geschichten erzählt...gefeiert. In der Organisation habe ich die erste Nacht der Novena mit einer Präsentation über Weihnachten in Deutschland eingeleitet. Vor fast dem ganzen Dorf (bzw. Barrio) habe ich also gestanden (immerhin waren 300 Leute da) und habe über Adventskränze und –Kalender, Schneemänner und Weihnachtsmärkte erzählt. In den anderen Novenas, die ich hier mitbekommen habe wurde getanzt, oder Gedichte vorgetragen.

1. Urlaub TRIGANÁ
Wie gesagt habe ich das Feld hier vorzeitig geräumt , da ich eigentlich den Sonntag (21.12) mit Freunden aus Medellín zur Isla fuerte (Karibik) aufbrechen wollte. Pünktlich Samstagmorgen war ich in Medellín, nur das meine Leute entschieden hatten den Montag erst aufzubrechen...kein Problem dachte ich, nur dass sie nach einer neuen Planänderung ihren Urlaub ganz gestrichen haben. Da ich ursprünglich nach der Insel eine Freundin aus Medellín im westlichsten Zipfel der Karibikküste (Triganá) besuchen wollte habe ich das dann kurzerhand vorgezogen und bin also Montagnacht, mit Ihr und einer Gruppe von ca. 10 Leuten nach Triganá aufgebrochen. Sie studiert Architektur in Medellín und ist an der Küste aufgewachsen, ihre Mutter lebt dort. über Sie habe ich drei sehr nette Mitreisende kennengelernt. Einen Österreicher, nen Holländer und eine Spanierin. Mit diesen 4 habe ich dann 9 sehr schöne Tage verbracht. Wir haben zusammen Weihnachten und Silvester gefeiert...etwas untraditionell, aber mit viel Party, tanzen und Bier ;) Generell hat Weihnachten sehr viel mehr Partycharakter, erst feiert man mit seiner Familie isst lecker und danach gehen allesamt tanzen.
Diese Tagen in Triganá, einem sehr kleinen untouristischen Ort, habe ich sehr genossen. Das Meer, die Sonne, die kleinen Wanderungen, die wir gemacht haben...und den lecker Fisch;) Ich habe 4 Nächte in einem Natureservat übernachtet...eine giftige Schlange aus der Nähe kennengelernt. Diese hatte 2 Eier aus dem Hühnerstall gegessen, und sich danach in den Zaunmaschen verfangen. Wir haben sie dann zu dritt befreit. Leider hat sie den Hund gebissen, der 3 Tage drauf gestorben ist. Diese beeindruckende 1,5 Meter lange Schlange hat, nach der Befreiungsaktion die 2 Eier unversehrt!!! wieder ausgekotzt (vllt. aus Schock), ist jedoch 2 Nächte drauf wiedergekommen um 4 Eier zu fressen. Das war dann genug, sodass sie leider mit der Machete halbiet wurde. Dies habe ich leider nur noch erzählt bekommen, da ich schon nichtmehr in der Reserva war...Auch habe ich die schlechte angewohneit nicht immer die Kamera bei mir zu führen, so dass ich keine Bilder der kotztenden Boa habe...das fördert jedoch euer Vorstellungsvermögen (sie war braun und hat geglänzt)  ...das nur eine kleine Geschichte am Rande der vielen Eindrücke.

2. Urlaub: ISLA FUERTE
Am 3 Januar habe ich den Rückweg nach Medellín angetreten (mit den drei Internationalen Freunden), um dann am Montag den 6 nachts alleine nochmal an die Küste zu fahren. Einige (andere) Freunde vom Red, hatten es auf die Isla fuerte geschafft und ich habe mich spontan entschieden nachzufahren. Auch die 6, mit denen ich ursprünglich reisen wollte hatten sich (per Anhalter) aufgemacht. Ich bin also mit Bus von Medellín nach Lorica (im Norden, Departamento Cordoba), von dort mit einem Motorrad zum nächsten Dorf und von dort mit nem Jeep in das Kaff, wo die Boote zur Insel ablegen. Sehr aufregend diese Reise, zumal allein. Nachdem ich dann übergesetzt bin habe ich dann 4 Freunde vom Red getroffen. Die anderen 6 sind am Abend nach mir angekommen. Sie bilden die Trommelgruppe des Red und sind in Bars und in Parks spielend bis an die Küste gereist. Das was sie an Geld gesammelt haben wurde direkt für den Weitertransport und Essen ausgegeben. So macht man Urlaub, wenn man kein Geld hat...Jetzt hatte ich auch verstanden, warum sie vorher so kurzfristig alles übern haufen geschmissen hatten. Sie hatten nicht genug Geld um loszureisen, mussten noch sammeln und wollten aber über Silvester in Medellín sein. Wir haben also in dieser grossen Gruppe an einem einsamen Strand auf der Insel gezeltet. Ohne Strom ohne Wasser ohne Klo...ohne alles. Wir haben mit Holzfeuer gekocht und Wasser aus einem Teich (der einzige der Insel) zum Waschen gehabt (dieses wurde uns von den Inselbewohnern gebracht). Die Leute auf der Insel sind sehr arm und leben überwiegend vom Fischen und anpflanzen von Obst und Gemüse. In den 2 Urlaubsmonaten (Desember und Januar) gibt es eine Handvoll Urlauber die zu versorgen sind...aber ansonsten sehr rar. Don Rudolpho, der sich um die Wildcamper an unserem Strand gekümmert hat, hat uns also mit Kokosnüssen, Wasser, Obst und Fisch versorgt. Wir wiederum haben abends in den 3 Discos des einzigen Dorfes der Insel gespielt um domit Geld zu sammeln, um ebendies zu bezahlen  Mich fasziniert diese gastfreundlichkeit und grosszügigkeit, besonders der Armen, die ja selber so wenig haben. Wir haben frischgefangenen Fisch geschenkt bekommen (die mit Taucherbrille, und Harpune mühselig gefangen wurden). Da es auf der Insel nur ein paar Lebensmittelläden gibt, kann man besonders gut mit tauschen bezahlen. ich habe Don Rudolpho also als „Bezahlung“ für das Campen 2 T´Shirts und meine LED Taschenlampe dagelassen und auch die anderen haben alle was zusammengelegt. Auch das Obst etc. das gebracht wurde haben wir (besonders die anderen, denn ich hatte ja Geld) mit Kleidung bezahlt. Alles in allem haben wir nen super Urlaub gehabt, auch ohne fliessend Wasser etc. Direkt im Sand gecampt (ich hatter mir nen Zelt geliehen, die anderen haben in Hängematten oder draussen geschlafen) und ein wunderschönes Meer gehabt. Es gibt keine Autos auf der Insel, und unser Strand war ne halbe Gehstunde vom Dorf entfernt, sodass wir sehr viel Ruhe hatten. Einen kleinen Ausflug zum Leuchturm der Insel habe ich unternommen. Dieser gleicht einem grossen Strommast, an dem aussen ne Leiter angebracht ist, auf der man hochklettern kann...da würden in Europa alle die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Naja, wir sind zu viert hoch, nur das letzte Stück habe ich mir gespart, weil die Leiter so weggerrostet war, dass ich wirklich Sorge hatte, sie könnte einbrechen. Achja, die Krebse habe ich vergessen, die wir gefangen und gegessen habe...nicht schlecht, aber der Fisch war leckerer. Am vergangenen Sonntag habe ich dann den Rückweg angetreten...alleine nochmal, da ich gestern in Ibagué sein wollte, um meine Sachen für das Zwischenseminar in Bolivien zu packen. Glücklicherweise hab ich im Boot ne dreiköpfige Familie kennengelernt, die auch nach Medellín zurück fuhr jedoch ein Auto am Strand hatten, wo die Boote abfahren. Mit ihnen bin ich also für den halben Buspreis direkt nach Medellín gefahren...schneller und ohne Umsteigen.
Auf der Insel habe ich mich auch mit einer Freundin getroffen, die vor kurzem in Aachen zu besuch war. Mit ihr (Milena) habe ich die ersten Monate Spanisch gelernt und sie bis zum 23.12 für drei Monate in Bonn und hat dort an einem Austausch teilgenommen.

REISEN IN KOLUMBIEN

Während der Fahrten in Bus, Auto und Motorrad ist mir oft aufgefallen, wie sehr die Strassen vom Militär kontrolliert bzw. gesichert werden. Es gibt keine Autobahnen aber einige wichtige grosse Strassen. Alle 50 km ist ne Militäreinheit stationiert, die oft Autos anhält und kontrolliert. Oft sieht man anstelle von Jeeps Panzer. Und immer sind die Soldaten bis unter die Zähne bewaffnet. Erst dann wird einem klar, dass sich das Land in einem Bürgerkrieg ähnlichen Zustand befindet. Wenn man nur in der Stadt ist, sieht man zwar viel Polizei und auch Militärs, aber von dem bewaffneten Konflikt erfährtman eher über die Vertriebenen (die in den Städten landen) und über die Armut der Bevölkerung. Die grossen Reisebusse werden auch kaum angehalten. Aber als ich mit der Familie zurückgefahren sind, haben uns die Soldaten angehalten, nur um zu fragen, woher wir kommen, wohin es geht und ob auf der Strecke was auffälliges passiert sei, oder ob alles in Ordnung war und ist. Ich weiss manchmal nicht wie ich mit all dem umgehen soll. Einerseits sind die Militärs genau wie Paramilitärs und Guerilla für die wachsende Armut, die sozialen Probleme, sprich den Krieg mitverantwortlich, andererseits kann ich nur dank dieser starken Militärpräsenz sicher reisen. Es hängen grosse Werbebanner an den Strassen mit Bildern der Soldaten und Sprüchen wie „Ihre Bundeswehr ist für sie auf der Strasse“ usw.
Als ich von Triganá zurückgefahren bin sind wir an einem umgekippten LKW vorbeigekommen. In Deutschland ist ein Abschleppunternehmen und die Polizei, hier waren ca. 15 Soldaten und 2 bemannte Panzer zur Stelle. Auch auf der Insel waren Soldaten stationiert, ebenso an einigen Stränden in der Nähe von triganá. Nur in Triganá selber habe ich weder nen Polizisten noch nen Soldaten gesehen. Auf meine erstaunte Nachfrage wurde mir gesagt, dass vor ca. 6 Monaten ne Gruppe von ca. 50 Soldaten dort stationert war, jedoch jetzt weg sei.
Insgesamt ist mir aufgefallen, dass die Leute in den kleineren Städten noch ärmer sind. Viele Häuser haben nur nen Lehmboden und sehr sporadische Wände, fast alles spielt sich irgendwie draussen ab.
Unsicher habe ich mich nicht gefühlt. Als ich zum Beispiel aus dem Bus in Lorica ausgestiegen bin und mir direkt vier Leute nen Motorrad zum nächsten Dorf angeboten haben war ich etwas verunsichert. Bringen die dich wirklich zu diesem Dorf wenn du mitfährst? Verlangen die nen fairen Preis? Nachher musst du mehr zahlen als verabredet?...usw. es geht einem viel durch den Kopf und wenn man zu lange nachdenkt ist man sich nicht wirklich sicherer. Als ich schliesslich nen (meiner Meinung nach) guten Preis bekam und auf dem Motorrad sass (mit meinem riesen Rucksack), ging es weiter... Ich hatte keinen Helm und mein Vordermann hatte seinen ums Handgelenk geschwungen. Normalerweise muss jeder Motorradfahrer nen Helm und eine Weste mit aufgedrucktem Keinnzeichen tragen, um Diebstahl, Anschläge oder anderen Blödsinn mit geklauten Motorrädern zu vermeiden. In Medellín sind sie damit sehr strikt, nur war ich jetzt auf dem Land. Ich hatte Sorge, dass uns vllt. die Polizei anhalten würde und ich hätte zahlen müssen oder so. Nach etwas rumnörgeln habe ich dann den Helm vom Fahrer bekommen ... nach der ersten passierten Polizeikontrolle ohne nen Wimpernzucken war mein Misstrauen dann endlich abgefallen...Der Mann verdient einfach nur sein Geld damit Leute auf seinem Motorrad von einer Stadt zum nächsten Dorf zu bringen,ist billiger als ein Taxi, hatte keine bösen Absichten und war auch noch freundlich.
Soweit zu dem erlebten... Morgen gehts weiter. Am Donnerstagmorgen um 6 geht mein Flieger von Bogotá nach Cochabamba in Bolivien. Dort treffe ich einen Freund, der dort seinen Zivi macht. Zusammen fahren wir am 19.01 nach Santa Cruz zu einem Treffen von deutschen Freiwilligen aus Lateinamerika. Meine Reisezeit ist also noch nicht um, und ich freue mich schon ein anderes Land kennenzulernen, auch wenn es noch so viel interessantes hier in Kolumbien gibt.
Ich wünsche euch alles erdenklich gute für diese Jahr, das hoffenlich nicht so schnell vorbeigeht wie das Letzte! Ich denke viel an euch und vermisse euch und Aachen!
Bitte seid nicht böse, wenn ich nicht direkt auf geschriebene Mails antworte. Ich war jetzt knapp drei Wochen ohne Internet, Handynetz und sonstigen üblichen kommunikationsmitteln und werde mich nach Bolivien in Ruhe daran begeben zu antworten.
Lukas

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Es geht weiter

Hallo Ihr Lieben,
Nach langer Pause melde ich mich nun endlich nochmal. Es ist ein weiterer Monat vergangen und ich hab mich hier mindestens so schnell an die neue Umgebung, Arbeit und an die Leute gewöhnt, wie zuvor in Medellín.
Bevor ich anfange zu erzählen: Hier regnet es seit nem Monat so viel und oft so stark, dass viele Dörfer grade im ländlichen Berich von starken Überschwemmungen betroffen sind. Die Leute die am wenigsten haben trifft es in der Regel am schwersten, weil ihre Hütten nix aushalten. Die Strassen sind unpassierbar und es gibt Municipios die von jeglicher Versorgung abgeschnitten sind. (Link mit Video: http://link.brightcove.com/services/link/bcpid2436396001/bctid2476088001 )

Jetzt zu mir: Ich arbeite mit zwei Kollegen, in einem Projekt, das sich Proniño nennt und von einer Telefongesellschaft unterstützt wird. Wir als Organisation bekommen also Gelder, um mit Jugendlichen und Kindern im Alter von 6-14 Jahren, die zur Schule gehen, aber auch arbeiten müssen zu “arbeiten”. Wir organisieren Workshops, Ausflüge usw. Die Eltern warden auch integriert, da die Kinder oft mit Ihren Eltern arbeiten: Gemüse auf der Strasse verkaufen, Süssigkeiten in Bussen, im Supermarkt arbeiten usw. Im letzten Monat haben wir ziemlich viel unternommen. Wir kümmern uns ungefähr um 90 Kinder, das heisst die Ausflüge sind mit drei Betreuern besonders anstrengend. Bis jetzt haben wir die Stadtbibliothek besucht, waren in einem Naturpark, in einem Sportpark mit Freibad, haben Gipsmasken gemacht und und und. Übrigens fragt hier keiner nach der Anzahl von Betreuern oder Rettungschwimmerscheinen, wenn wir mit 140 Kindern 20 Eltern und 3 Betreuern ins Freibad gehen….
Die Arbeit macht Spass, auch wenn es manchmal anstrengend ist mit so vielen Kindern gleichzeitig. Ich bin wenn man so will ein Star, weil aus Deutschland usw. Die Kinder hängen (wortwörtlich) an mir und alle kennen meinen Namen. Das mit den Namen andersrum fällt mir wesentlich schwerer. Von 90 kann ich vllt. 10 . Neben den Workshops und Ausflügen gibt es Büroarbeit…wir müssen genaustens nachweisen Was wofür ausgegeben wird und alle Pläne Ideen und Objektive warden vorher erarbeitet, gespeichert und mit den verantwortlichen Abgesprochen. Die letzten Wochen habe ich Samstags und 2 mal Sonntags gearbeitet…aber dafür gibts bald Urlaub ;)
Ich wohne immernoch bei der Familie, die Zimmer vermietet und brauche mim Bus 15 min. zur Arbeit. Ab Februar werde ich wenns klappt mit 2 Kollegen und Freunden zusammenziehen. Dann näher an die Arbeit. Ausserdem nervt mich die eine schimmelige Wand inzwischen und das mein Fenster nicht nach draussen, sondern in den Wohnbereich führt. Aber an sonsten fühl ich mich wohl. 2 Kinder der Señora und 2 weitere, die hier so halb wohnen, weil sich ihre Mutter nicht um sie kümmert nehme ich seit 2 Wochen ab und zu mit, wenn wir Ausflüge oder Workshops mit den anderen Kindern machen. Immer mehr bekomme ich einen Einblick, wer zu wem gehört usw. Ausserdem habe ich festgestellt und auch erzählt bekommen, dass Leonardo (der eigentlich nicht Sohn, sondern Enkel der Señora ist), nicht lesen und schreiben kann, geschweigedenn die Wochentage kennt. Das ist mit 10 Jahren schon ziemlich traurig, liegt aber meines erachtens an einem Aufmerksamkeitsdefizit und vllt. Einem psychol. Problem. Neben den Dingen hier im Haus bekomme ich natürlich auch viel von den Kindern des Projektes mit. Viele der Kinder arbeiten, um etwas zum Lebensunterhalt der Familie bei zu steuern. Alle kommen aus armen Verhältnissen und viele haben keine Väter/Eltern oder sind desplazados (Inlandsvertriebene). Beindruckend wie sich Kinder zum Beispiel 2 Wochen im Vorraus derart auf einen Schwimmbadbesuch freuen können. Natürlich ist der Umgang der Kinder untereinander auch anders, als ich es gewöhnt bin/war und auf Spanisch zu erklären, warum man die anderen Kinder weder schlagen, noch mit Steinen bewerfen soll fällt mir manchmal schwer...
Mit Medellín und den Leuten des Red Juvenils habe ich nach wie vor Kontakt. Die Arbeit hier ist nicht so polititsch und hat einen weniger kritischen Hintergrund (auch gegenüber dem Staat). Das fehlt mir einerseits, weil ich im Red in kurzer Zeit viel über politische Strukturen und Situation der verschiedenen Menschen hier gelernt habe doch andererseits ist das auch genau der Grund, warum Ich dort na¿icht bleiben konnte. Die Situation grade für Ausländer hier ist schwer. Ich habe von einem Deutschen, der im Norden des Landes gearbeitet erfahren, dass er nach Deutschland zurück muss, da er in der Öffentlichkeit das Militär der Stadt kritisiert hat. Eine deutsche wurde festgenommen und ausgewiesen, weil sie die friedlichen Indigena Proteste im Cauca unterstützt hat. 2 Französische Fotografen wurden rausgeschmissen, da sie über die streikenden Zuckerrohrarbeiter berichten wollten. Das Fernsehen hier berichtet weder ausführlich und ehrlich über die Aufstände, noch über die Ausweisungen. Jegliche Aufstände und Unruhen werden direkt mit den Farc in verbindung gesetzt, sodass direkt ein Feinbild und eine Rechtfertigung geschaffen wird, mit Gewalt gegen die Gruppen vorzugehen. Die Verwicklungen vom Militär in Hinrichtungen und Entführungen wird somit voin niemandem Wahrgenommen.
Da fällt mir spontan was zu ein: Vorigen Sonntag war ich mit Daniel (Frend und Kollege) in der Stadt. Ausserdem sein Bruder und nen anderer Freund und 2 deutsche Freiwillige (Mädels), die hier in der Nähe arbeiten. In der Fussgängerzone liefen Soldaten rum, die die „libretas“ der Jugens kontrolliert haben. Ohne diese Karte, die man nach dem Militärdienst bekommt, nehmen die einen einfach mit, wenn man das entsprechende Alter hat. Daniel hat keinen Dienst geleistet und keine Libreta, sie zu kaufen (was auch geht) ist zu teuer. Also standen wir da und dank der Ausländischen Begleitung konnten die nicht viel machen. Ich hab auf gebrochenem Spanisch erklärt, das wir vier (Ich die 2 Mädels und Daniel) aus deutschland kämen und er seinen Pass nicht dabei hat. Gab keine Probleme, aber ich will nicht wissen was passiert, wenn die einen alleine und nicht grade in der belebten Fussgängerzone ansprechen.
Naja neben diesen Eindrücken fallen mir ab und zu noch die Sachen auf, die eigentlich sehr eigenartig für uns sind, aber für mich immer normaler werden...
Einen Abend wollte ich mit dem Taxi in das barrio fahren, wo ich arbeite und 2 Taxis wollten mich nicht mitnehmen, aus dem Grund, dass es keine befestigten Strassen dort gibt und sie sich ihre (Schrott-)Taxis nicht ruinieren wollen.
Ich sitze im Taxi und warte auf Daniel, da läuft ein Hund mit einem Kuhschädel an mir vorbei. Setzt sich in der Nähe hin, nagt an dem Schädel bzw. Den Fleischresten und geht dann weg. Der Kuhschädel liegt auf dem Bürgersteig und es interessiert keinen.
Die Leute transportieren alles mit Motorrädern und Fahrrädern was geht (Fenster, 3-4 Personen, Stühle etc....der Grossteil der Autos sind Taxis
Die Familien aus denen die Kinder kommen leben in so beengten Verhältnissen, dass sie kaum Privatsphäre haben. 2-4 Zimmer für Familien, die im Schnitt 4 Kinder haben. Die Wände sind von Innen nur selten verputzt und oft haben die Zimmer keine Türen...Die Leute, die als Schreiner, Bäcker, etc. arbeiten haben ihre Werkstatt dann auch noch im selben Haus. Minimalverhältnisse, aber beste Arbeitsergebnisse
Für alle die mehr über politische Hintergründe wissen wollen schaut rechts bei den Links der Uni rein. Da steht sehr viel Interessantes drin zum Beispiel über die aktuellen Unruhen aufgrund des Zerplatzens von unseriösen „Geldverleihfirmen“ (Piramides). Oder über die Verstrickungen von Regierung, Militär etc. In allerlei Schweinereien.

Samstag, 8. November 2008

Neue Stadt

Hallo,
Ich melde mich aus Ibague, 8 Busstunden suedlich von Medellin. Hier ist es heiss :). Am Mittwochnachmittag bin ich hier angekommen und von einem Jugendlichen Mitarbiete (Daniel) am Terminal abgeholt worden. Ich wohne in einer Art Studentenpension. Ein HAus in dem eine Familie mit 5 Kindern wohnt. Ausserdem wohne ich hier ;) und 3 Studenten. Neben den Leuten, die hier wohnen kommen zahlreiche Personen zum Fruehstueck, Mittag- oder Abendessen. Ausserdem wird fuer jede Menge Lete die Waesche gewaschen. Fuer mich ist das nach knapp 3Monaten von Hand waschen und fuer mich kochen ein Stueck Luxus. Morgens stehe ich auf und das Freustueck (immer mit Ei...sehr typisch in Kolumbien) steht bereit. Ich werde wahrscheinlich ordentlich zunehmen... Mein Plan ist hier 2 Monate zu wohnen, mir dann im Dezember nen neues Zimmer / Apartement zu suchen und ab Fbruar dort zu wohnen. Den Januar werde ich reisen, denn ich habe Urlaub :) Meine Bleibe jetzt ist ca. 15 Busminuten von der Organisation entfernt, die sich sehr vom Red Juvenil in Medellin unterscheidet. Das Haus bzw. Gelaende ist i einem Barrio (Viertel) des Niveaus 1, das heisst keine befestigten Strassen, und viele Leute, die unter sehr einfachen Umstaenden leben. Das Gelaende liegt direkt am Hang hat mehrere kleine Bueros und direkten Anschluss an den Wald, in dem zahlreiche Fruechte wachsen. Ausserdem gibt es einen Aussichtspunkt. Im Vergleich zu dem Stadthaus des Red ist alles viel ruhiger und beschauliccher. Hier arbeiten hauptsaechlich Festangestellte, drei Jungs sind mehr oder weniger in meinem Alter. Eine Art Kindergarten und eine Hausaufgabenbetreueung finden taeglich statt. Ausserdem treffen sich regelmaessig Jugendliche des barrios und sie haben die Moeglichkeiten mit dem Material der Organisation in Theater oder Musikgruppen zu organisieren. Neben den Aktivitaeten in tierra firme (so heisst das barrio) kuemmern sich 2 Jungs (Luis und Adrian) um Jugendgruppen ausserhalb Ibagues. Zu zweit besuchen sie in regelmaessigen Abstaenden 15 Municipios ausserhalb von Ibague. Nebenbei studieren die beiden (abends bzw. nachts). Ruben und Daniel (Ruben ist so um die 40-50, Daniel 21) kuemmern sich um Kinder zwischen 6 und 13 Jahren in Ibague. Dieses Projekt heisst proniño. Ausserdem gibt es noch 2 Mitarbeiter, die mit Jugendlichen in Ibague arbeiten. Inhaltich geht es meisst um Rechte der Kinder und Jugendliche, Staerkung der Gruppen, Formung und Unterstuetzung von Leadern etc. Bis jetzt weiss ich jedoch alles nur aus Erzaehlungen, in den naechsten Wochen werde ich denke ich genaueres Wissen, da ich teilnehme und helfen werde. Erstmal arbeite ich mit Ruben und Daniel mit proniño, ausserdem mit den Jugendlichen des Viertels. Naechstes Jahr werd ich dann wohl auh mal einige Orte ausserhalb zu Gesicht bekommen. Allerdings kommen nur einige fuer mich in Frage, da die Orte die in den Bergen liegen fuer mich als Auslaender zu unsicher sind (Guerilla). Luis und Adrian muessen gelegntlich bis zu 7 Std. Busfahren um zu den Orten zu gelangen...
Die Stadt ist viel kleine als Medellin, ca. so wie Aachen. Gesternabend war ich mit Luis hier ein Bier trinken und etwas tanzen. Mein Zimmer liegt sehr nah an einer Privatuni, sodass hier auch einige Kneipen und viele Studenten sind. Das kommt mir ganz gelegen, grade weil hier nicht ausschliesslich Jugendliche fuer die Organisation arbeiten, wie in Medellin.
Im Moment fuehle ich mich wohl, das Zimmer ist okay und die Leute wie zuvor in Medellin sehr offen und freundlich. Na klar fehlen mir jetzt nicht nur die Aachener, sondern auch einige Medelliner...aber im Dezember bzw. Januar hab ich Zeit die Leute wieder zu treffen. Ausserdem versuche ich hier auf der Seite auch noch etwas vom Red zu berichten...
Die Woche bevor ich gefahren bin hat das Red, zusammen mit anderen Organisationen aus Medellin und Kolumbien ein Forum veranstaltet. Verschiedene Mitglieder anderer Organisaton aus Kolumbien, aber auch aus Ecuador und Spanien haben teilgenommen. Neben Workshops und Diskussionen rund um Themen wie: Privatisation des Wassers, Illegale Landnahme, Staedteentwicklung, Koka Anbau, waren Indiana aus dem Cauca eingeladen (da wo es im Moment ziemlich rundgeht...aufgrund von Demos). Sie haben von ihrer Lage vor Ort berichtet und an den Diskussionen teilgenommen. Ausserdem gab es eine Demo (aber eine Bunte-Karnevalsartige Demo). Fuer mich wa es sehr interessant mit Jugendlichen aus Ecuador zu reden, wenn auch anstrengend. Einen Abend hatten wir das Glueck an einem Indigena Ritual der YANAKUNA teilnehmen zu duerfen (im Red). Die Weltanschaung und ihre Einstellung zu jeglicher Form von Leben ist beeindruckend!
Das alles ist jetzt schon mehr als ne Woche her...ich habe uebrigens neue Fotos rechts in die Diauschau eingefuegt ... In den naechsten Wochen werden Fotos aus Ibague Folgen.
Ich druecke euch alle und wenn es Fragen gibt schreiben!!!

Noch ein paar kleine Anmerkungen von Fragen die mir hier gestellet worden oder banalen Dingen:

"Warum faerbst du die Haare auf deinen Armen blond"?
"Bist du mit blonden Haaren geboren worden, oder ist das wegen dem Shampoo, das du benutzt"? (Ein Sohn der Familie hier - 10 Jahre)
"Sprechen alle Kinder in Deutschland Englisch"?

- Auf die Frage einer Kollegin an Kinder im Alter von ca.8-12 Jahren aus einem Proniño "Hort", was sie spaeter werden wollen, antworteten ALLE ausser 2 der Jungs (ca. 12-15 insg.): Soldat. die 2 anderen :Polizist ( Das hat wohl mit der Werbung zu tun, die hier fuer das Militaer gemacht wird...)
- Es is normal, dass 12-15 Jaehrige in der Stadt mit nem Schubwagen Eis verkaufen! ??? (siehe Fotos)
- Ich musste neulich auf einem kleinen Konzert in Medellin, eine Art talentsuche fuer Bands aus Medellin (also nix grosses oder besonderes) meinen Guertel ausziehen und abgeben (koennte als "Waffe" gebraucht werden. Das heisst es ist Aufgabe der Polizei (der Wehrdienstleistenden) ca. 150 Guertel aufzurollen, mit Namen zu beschriften und anschliessen wieder auszuteilen :)

....Leider faellt mir grad nicht mehr ein...

Lieben Gruss aus Ibague....aber immernoch Kolumbien ;)

Lukas